Steigeisen: Auf scharfen Zacken in die Berge

Grivel - Monte Rosa - Hochtourensteigeisen

Alles überragend stehen die Schneeriesen des Wallis im grellen Sonnenlicht vor tiefblauem Himmel. In der weißen Flanke schiebt sich langsam eine Seilschaft über den Gletscher, kurz bevor sie den Gipfelgrat erreicht. Wie gern würde ich auch jetzt...

Vor dem ersten Schritt ins Hochgebirge heißt es aufrüsten! Das Gefahrenpotential in der Umgebung steigt und dem muss auch die Ausrüstung angepasst sein: gefährlich spitz und scharf. In die Hand gehört ein Eispickel und an die Füße natürlich Steigeisen! Beide verschaffen Halt auf glatten Firn- und Gletscherhängen, sogar auf einzelnen Blankeisstellen. Entscheidend für die Wahl der Steigeisen ist der Charakter der Tour. Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Steigeisen für einen Gletscherspaziergang und Steigeisen für das Eis- oder Mixedklettern.

Fast alle Modelle haben heute acht oder zehn Zacken unter Sohle und zwei an der Schuhspitze, die beiden Frontalzacken. Je steiler das Gelände, desto mehr werden die Frontalzacken beansprucht. Im Steilhang oder beim Eisklettern sind sie nahezu als einzige Punkte an den Füßen belastet. Ob zehn oder zwölf Zacken an den Füßen hängt schließlich von den persönlichen Vorlieben ab, beide erfüllen ihren Zweck. Scharf sollten sie sein und gerade deshalb auch nicht lose im Rucksack liegen. Spezielle Beutel schützen den Rucksack oder die neue Jacke vor einem glatten Durchstoß.

Wichtiger ist die Art der Befestigung am Bergschuh. Drei Systeme werden unterschieden:

1) Vollautomatische Steigeisen erfordern einen Bergschuh mit steifer Sohle und einem Sohlenrand vorn und hinten, auf den die Kipphebelbindung aufgelegt wird. Im Steileis und auf technischen Touren sind sie die Wahl für den ambitionierten Bergsteiger. In der Kipphebelbindung hat der Fuß den besten Halt im Steigeisen, außerdem können sie auch einfach auf Skitourenschuhe montiert werden.

2) Halbautomatische Steigeisen haben hinten einen Kipphebel und vorn einen Kunststoffbügel, sodass ein Sohlenrand hinten genügt. Sie sind ein hervorragender Kompromiss für Touren mit längeren Zustiegen zum Gletschergelände: Die Sohle der bedingt steigeisenfesten Bergstiefel ist noch leicht flexibel und macht das Gehen auf Pfaden und Wegen oft deutlich leichter. Gleichzeitig bieten die halbautomatischen Steigeisen bereits gute Stabilität.

3) Leichtsteigeisen sind das Einsteigermodell und können auf jedem Schuh, auch ohne Sohlenrand, montiert werden. Mit Riemen werden sie am Schuh festgezurrt. Auf Gletscherwanderungen oder leichten Touren reichen ihre Eigenschaften in den meisten Fällen aus. Sie sind in der Anschaffung häufig günstiger, im komplexeren Gelände gelangen diese Universalsteigeisen jedoch schnell an ihre Belastbarkeitsgrenze.


Vor dem Kauf sollte man also zunächst einen Blick auf seine Bergschuhe werfen und im Zweifel nachfragen, welches Steigeisen geeignet ist. Anschließend muss die Länge der Eisen auf die Schuhgröße angepasst werden. Am besten geht das im heimischen Wohnzimmer und nicht erst auf einem Schneehang. Anfangs ist das Gehen mit Steigeisen ungewohnt und nicht immer leicht. Vor dem Gipfelgrat sollte deshalb Zeit für eine Einführung sein. Dann aber steht dem Gipfelglück im Wallis auf Steigeisen nichts mehr im Wege.

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