Schneeschuhewandern

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Die Sonne strahlt warm vom Himmel – zu warm, als dass der frisch gefallene Schnee auch in den niederen Regionen liegen bleiben würde. Die Gipfel sind längst schon weiß überzogen, während im Tal noch die gelb-bräunlich gefärbten Herbstwiesen die Landschaft dominieren. Ob der Schnee oben schon zu tief ist für eine Wanderung? Für eine Skitour reicht er jedenfalls noch nicht …
Wer an solchen Tagen beschließt, lieber die Couch zu hüten anstatt sich aufzuschwingen zu einem spätherbstlichen Outdoor-Abenteuer, der ist selbst schuld. Oder aber die Kunde von Schneeschuhen, mit deren Hilfe auch der Schwerste nicht im metertiefen Pulver versinkt, ist noch nicht bis zu ihm durchgedrungen. Was allerdings sehr verwunderlich wäre, gibt es die Schneeschuhe doch schon seit mehreren tausend Jahren. Etwa 12000 Jahre alte Höhlenzeichnungen zeigen Darstellungen, die Schneeschuhen ähnlich sind. In der heutigen Mongolei haben Archäologen 6000 Jahre alte Gegenstände gefunden, die darauf schließen lassen, dass auch dort damals Schneeschuhe eingesetzt wurden. Sämtliche Völker aus gebirgigen, schneereichen Regionen bauten sich Schneeschuhe, um damit im Winter auf die Jagd zu gehen. Die Inuit beispielsweise hatten neben runden auch dreieckige Schneeschuhe. Und die Schneeschuhe der Cree-Indianer, der Ureinwohner von Quebec, maßen sogar sage und schreibe zwei Meter in der Länge. Die Bauweise war bei allen Schuhen ähnlich: Leisten aus Eschenholz wurden zu einem ovalen Gestänge gebogen, dessen Inneres mit Leder bespannt wurde. Mit einer Zehenschlaufe oder mit Riemen befestigte man die Tragflächen am Fuß.

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Hört sich äußerst unbequem an, stimmt. Schon will der Couchpotato sich erleichtert in seine Kissen zurückfallen lassen, aber: Verglichen mit jenen Prototypen bieten die Schneeschuhe von heute natürlich um einiges mehr an Komfort. Bei den einen ersetzt ein leichter Aluminiumrahmen das schwere Eschenholz; die Tragflächen sind mit einem speziellen Kunststoffgewebe bespannt, das sich weder mit Nässe voll saugt noch gefriert, wie das beim Leder früher der Fall war. Bei den anderen besteht die Tragfläche samt Rahmen komplett aus Hartplastik, das bis -40° Grad Celsius kälteresistent ist. Je nachdem, wo die Schneeschuhe eingesetzt werden sollen, besitzen sie mehr oder weniger ausgeprägte Krallen unter der Sohle, die auf gefrorenem Schnee guten Halt geben. Die aufklappbaren Steighilfen findet man mittlerweile an den meisten Schneeschuhen. Auch die Bindungssysteme wurden mittlerweile weiterentwickelt: Sie reichen von der einfachen Riemenbindung, die mit jedem Wanderschuh funktioniert, über die komfortablen Ratschenbindungen (für die man Schuhe mit festem Rücken benötigt) bis hin zu Kipphebelbindungen ähnlich denen bei Steigeisen. Sie funktionieren jedoch nur mit steigeisenfesten Schuhen, die man an der harten Sohle und dem ausgeprägten, stabilen Rand an der Ferse erkennt.
Schneeschuhe gibt es also mittlerweile in allen Varianten – und Größen, was folgenden Sinn hat: Je mehr der Schneeschuhwanderer samt Rucksack wiegt, desto größer muss die Auflagefläche sein, um ein Einsacken im Schnee zu verhindern. Vor allem Pulver hat eine geringere Tragfähigkeit und verlangt nach möglichst großen Schneeschuhen. Allerdings sollten die Schuhe nicht derart groß gewählt werden, dass sie einem beim Gehen behindern. Die Faustregel für den Schneeschuhkauf lautet: Kann man mit einem langen Schritt einen Schneeschuh in einer Linie vor den anderen setzen, ohne sich dabei selbst zu blockieren, passt die Größe. Für Damen haben die meisten Hersteller übrigens spezielle, schmäler geschnittene Modelle entwickelt.
Mit einem Paar Teleskopstöcken und wintertauglichen Klamotten wäre die Ausrüstung für eine spätherbstliche Tour also perfekt. Und falls der Couchpotato bereits Luft holt zu einer letzten Ausrede, kontern wir sofort: Schneeschuhlaufen kann übrigens jeder, der sich auf zwei Beinen halten kann! Für Schneeschuhgehen braucht es keinerlei Vorkenntnisse – ausgenommen diejenigen zur Beurteilung der Lawinengefahr, falls man sich in alpinem Terrain aufhält. Eine Schneeschuhtour in steilem, verschneitem Gelände birgt vor allem bei Neuschnee die Gefahr, in eine Lawine zu geraten. Selbst wenn die Schneeschauer schon einige Tage her sind, können sich in Lagen oberhalb der Baumgrenze und in Mulden Schneeverwehungen gesammelt haben, die mangels Verbindung mit dem Untergrund beim Darauftreten abrutschen und den Schneeschuhwanderer unter sich begraben. Deshalb sollte man auf einer Schneeschuhtour in alpinem Gelände grundsätzlich eine Lawinenausrüstung – bestehend aus aktiviertem LVS-Gerät, Sonde und Schaufel – bei sich tragen und die Instrumente auch bedienen können. Wer sich allein nicht traut, kann jederzeit unter bergzeit.de genussvolle Schneeschuhwanderungen unter der fachkundigen Anleitung eines staatlich geprüften Bergführers buchen.