Klettersteigausrüstung

Faszination Klettersteig

oder Via Ferrata wie die Eisenwege auch genannt werden, werden immer beliebter. Die mit Drahtseil gesicherten und mit Leitern und Klammern ausgerüsteten Klettersteige ermöglichen vielen Bergsportlern den idealen Einstieg in die Vertikale. Je nach Art und Anlage des Klettersteiges handelt es sich entweder um sehr kraftraubende, sportliche Routen oder um längere, eher klassische Gratüberschreitungen. Als Klettersteigparadiese schlechthin gelten die Dolomiten – in eindrucksvoller Umgebung riesiger Felsbastionen lassen sich einige der schönsten Kletterstiege der Alpen erklimmen – und der Gardasee, der schon früh im Jahr mit guten Verhältnissen und angenehmen Temperaturen aufwartet. Aber auch in den Nordalpen gibt es für Klettersteiggeher genug zu tun.

Klettersteigset

Um die Faszination Klettersteig ungetrübt genießen zu können, ist natürlich die Sicherheit von größter Bedeutung. Zur Sicherung muss unbedingt ein Klettersteigset verwendet werden. Von der Verwendung zweier Bandschlingen muss gewarnt werden – Bandmaterial ist statisch, dehnt sich also bei einem Sturz nicht. Bandschlingen können schon bei geringen Sturzhöhen reißen, es kann zu tödlichen Totalabstürzen kommen. Klettersteigsets werden immer komplett verkauft – vom Kauf einer Bremsplatte und eigenen Basteleien wird aus Sicherheitsgründen unbedingt abgeraten.
Moderne Klettersteigsets werden in Y-Form verkauft – sie bestehen aus zwei Seilenden die mit speziellen Verschlusskarabinern ausgestattet sind. Diese beiden Seilenden werden immer eingehängt und bieten so doppelte Sicherheit bzw. ermöglichen auch beim Umhängen durchgängige Sicherheit. Das Herzstück des Klettersteigsets ist die Bremsplatte in der Mitte, die mittels Ankerstich am Gurt befestigt wird. Der überstehende Rest Seil wird am Gurt eingehängt und rutscht im Fall eines Sturzes durch die Bremse. Dadurch kann die Bremsplatte einen großen Teil der freiwerdenden Energie aufnehmen. Am Markt sind außerdem noch Sets mit Bandfalldämpfer erhältlich. Im Fall eines Sturzes entfaltet sich ein Band, das in einem Beutel zusammengelegt ist und wodurch die Bremswirkung entsteht. Ein Sicherheits-unterschied zwischen den beiden System ist nicht feststellbar, so dass beide bedenkenlos verwendet werden können.
Bekannteste Hersteller von Klettersteigsets sind in Deutschland Salewa, Mammut und Petzl, der Markt in Österreich wird vor allem von Austrialpin dominiert, wobei sich diese Hersteller nur in Nuancen unterscheiden.
Wichtig beim Kauf ist die Bedienbarkeit der Karabiner – jeder kommt mit den unterschiedlichen Verschlusssystemen anders zurecht. Da man über viele Stunden die Karabiner immer wieder ein- und aushängen muss, lohnt es sich hier auch etwas mehr zu investieren.
Trotz allem muss klar sein, dass Stürze am Klettersteig immer sehr gefährlich sind und schwere Verletzungen zur Folge haben können.

Gurt

Im Gegensatz zum klassischen Klettern, wo Stürze in der Regel kontrolliert ablaufen, stürzt man am Klettersteig meistens überraschend und verliert dabei oft die Kontrolle. Deshalb empfiehlt sich die Verwendung eines Brustgurtes um ein gefährliches Überkippen nach hinten und Schädigungen der Wirbelsäule zu verhindern. Um Fehler beim Einbinden zu verhindern wählen Einsteiger am besten Komplettgurte, wer schon einen Hüftgurt besitzt, ergänzt diesen idealerweise mit einem Brustgurt.

Schuhe

Für die ersten Versuche auf Klettersteigen eignen sich am besten feste Bergstiefel. Entdeckt man dann seine Liebe zu den Eisenwegen empfiehlt sich der Kauf von Klettersteigschuhen.
Diese Stiefel sind mit einer speziellen Sohle ausgestattet, die aus einer besonders griffigen Gummimischung besteht, und im Bereich des Vorderfußes kein Profil hat. Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass die Schuhe stabil sind und genügend Halt geben. Nach Möglichkeit sollten sie zusätzlich noch steigeisenfest sein, damit auch hochalpine Zustiege bewältigt werden können.

Helme

Auf einer Via Ferrata herrscht oft reger Betrieb, oftmals sind andere Klettersteiggeher über einem und der Fels nicht immer ganz fest. Deshalb sollte möglichst konsequent ein Kletterhelm getragen werden. Dieser schützt nicht nur vor Steinschlag, sondern kann auch bei einem Sturz, bei dem ein Anprall an der Klettersteiganlage möglich ist, lebensrettend sein. Spezielle Klettersteighelme gibt es nicht, man wählt einen „normalen“ Helm für den Bergsport, da dieser optimalen Schutz bietet.

Klettersteighandschuhe

Klettersteiggehen ist für die Hände richtige Schwerstarbeit und leider sind kleinere Verletzungen an den Händen schnell möglich. Um sich beispielsweise nicht an den ersten vorstehenden Drahtseillitzen die Finger aufzureißen oder Schmerzen beim Greifen nach dem Seil in Kauf nehmen zu müssen, sollte man sich Klettersteighandschuhe für den Klettersteig gönnen. Je nach persönlicher Vorliebe und Wärmeempfinden wird man entweder einen Fingerhandschuh mit oder ohne Fingerkuppen wählen. Handschuhe mit Fingerkuppen bieten einen besseren Schutz und wärmen eher, dafür muss man in Sachen Feingefühl Abstriche machen. Handschuhe ohne Fingerkuppen erlauben hingegen eine leichtere Bedienung der Karabiner, schützen dafür aber nicht ganz so gut gegen Verletzungen und Kälte. Auf jeden Fall sollte der Handschuh, der in der Regel aus Leder besteht, recht eng sitzen damit die Karabiner möglichst leicht ein- und ausgehängt werden können.

Haltbarkeit der Ausrüstung

Die Lebensdauer der Klettersteigausrüstung hängt im Wesentlichen vom Umgang damit und der Häufigkeit des Gebrauches ab. Das Klettersteigset sollte, wenn es verschmutzt ist mit lauwarmem Wasser gereinigt und anschließend gut getrocknet werden. Von Zeit zu Zeit sollte man außerdem die beiden Karabiner auf ihren Schließmechanismus hin überprüfen und im Zweifelsfall ersetzen. Nach einem Sturz muss das Klettersteigset auf jeden Fall ausgetauscht werden, da niemand einschätzen kann, ob ein weiterer Sturz noch abgefangen werden kann. Viele Sets sind deshalb mit sogenannten Sollbruchstellen ausgerüstet, so dass das Set nach einem Sturz auf keinen Fall mehr weiterverwendet werden kann. Bei regelmäßigem Gebrauch sollte ein Klettersteigset auch ohne Sturz nach etwa fünf Jahren aussortiert werden. Gleiches gilt für den Helm. Die übrige Ausrüstung wie Handschuhe und Stiefel werden je nach Verschleiß und eigenem Ermessen ausgetauscht.

Gefahren am Klettersteig

Neben all den Freuden, die ein Klettersteig ermöglichen kann, birgt er auch spezielle Risiken. Das Gelände am Klettersteig ist im Normalfall äußerst ungeeignet um zu stürzen – vorstehende Metallteile erhöhen das Risiko von schweren Anprallverletzungen erheblich. Steinschlag, durch vorrauskletternde Bergsteiger ausgelöst, ist eine eben so große Gefahr, weshalb ein Helm Pflicht ist. Im Fall eines Sturzes wird das Material, zum Beispiel die Karabiner durch eine für sie äußerst ungünstige Knickbelastung, sehr stark beansprucht – aus diesem Grund sollte man nur für Klettersteige konstruierte Ausrüstung einsetzen. Neben diesen speziellen Gefahren, sollte man auch die üblichen Gefahren im Bergsport nicht außer Acht lassen. Hervorzuheben ist hier vor allem der Blitzschlag, bewegt man sich am Drahtseil, ja letztendlich an nichts anderem als einem riesigen Blitzableiter.