Klettergurte

Grundsätzliches über Klettergurte

Faszination Klettern – wagt man die erste Schritte in die Vertikale, gibt es einige Ausrüstungsgegenstände, die auf keinen Fall fehlen dürfen. Der Klettergurt gehört zweifelsohne dazu. Grundsätzlich gibt es drei Arten von Klettergurten: den Komplett-, auch Kombigurte genannt, den Hüftgurt und den Brustgurt. Alle 3 Gurttypen werden sowohl in verstellbaren als auch in nicht verstellbaren Versionen angeboten. Der Klettergurt muss heute nicht nur die Belastung beim Sturz möglichst angenehm übertragen, er sollte auch so sitzen, dass längeres Hängen, z.B. am Standplatz, erträglich ist. Im eigentlichen Klettern hat sich heute die alleinige Verwendung des Hüftgurtes durchgesetzt, Komplettgurte sind eher auf Klettersteigen zu sehen. Gelegentlich kann es sinnvoll sein, zusätzlich noch einen Brustgurt zu tragen.

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Brustgurt, ja oder nein?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten – den Vorteilen stehen nicht unerhebliche Nachteile gegenüber, so dass die Verwendung letztendlich im eigenen Ermessen liegt. Einig ist man sich aber darüber, dass der Brustgurt nie alleine getragen werden darf. Das Hängen im Brustgurt führt sehr schnell zu einem Hängetrauma und bereits nach kurzer Zeit zu einem qualvollen Kreuzigungstod.
Verwendet man einen Brustgurt ist das Hängen im Seil durch die aufrechte Körperposition angenehmer und kraftsparender und die Lendenwirbelsäule ist dabei geringerer Belastung ausgesetzt. Unbedingt empfohlen wird er bei Kindern und beim Klettern mit Rucksack. Allerdings ist ein Brustgurt während der Bewegungsabläufe beim Klettern immer unbequemer und es besteht eine höhere Gefahr des Anschlagens mit dem Gesicht an der Wand.

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Besonderheiten bei Kindergurten

Kinder haben zu Erwachsenen einen vergleichsweise hohen Schwerpunkt. Dadurch ist die Gefahr des Überkippens im Falle eines Sturzes höher. Des Weiteren sind die Hüften weniger stark ausgebildet, wodurch die Gefahr besteht, dass das Kind beim Überkippen aus dem Gurt rutscht. Aus diesen beiden Gründen empfiehlt sich bei Kindern die zusätzliche Verwendung eines Brustgurts oder ein Komplettgurt. Ebenso sollte der Hüftgurt unbedingt auf die anatomischen Besonderheiten von Kindern abgestimmt sein. Außerdem gibt es spezielle Klettergurte für Kinder zu kaufen.

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Wie ist ein Hüftgurt aufgebaut?

Klettergurte bestehen aus Bandmaterial, das je nach Modell unterschiedlich gepolstert und damit unterschiedlich schwer ist. Ein gewichtsoptimierter Leichtgurt empfiehlt sich für Skihochtouren, während ein gut gepolsterter Bequemgurt vorzuziehen ist, wenn langes Hängen im Gurt wie beim Bigwall-Klettern absehbar ist. Um die Hüfte verläuft das Hüftband, es trägt nur einen geringen Teil der Belastung. An ihm sind die Materialschlaufen angebracht, in der Regel sind dies vier Stück. Die Schlaufen sollten nach außen zeigen und einigermaßen steif sein, so dass das Handling vereinfacht wird. Unbedingt zu beachten ist, dass die Bruchlast hier begrenzt ist, auf keinen Fall darf man sich darin Anseilen! Vorne am Hüftband ist außerdem die Anseilschlaufe zu finden. Entweder bindet man sich direkt in die Anseilschlaufe ein oder man verbindet mit dem Knoten die Schlaufe am Hüftband und die Schlaufe im Verbindungssteg der Beinschlaufen. Die Beinschlaufen tragen den Hauptteil der Belastung und sind mit und ohne Verstellmöglichkeiten erhältlich. Damit diese nicht zu tief rutschen, sind sie mit Gummibändern am Hüftband befestigt.

Die Normanforderungen

Die EN-Norm 12277 fordert, dass die kraftaufnehmenden Bänder, Beinschlaufe und Hüftband, mindestens 43 mm breit ist und die Festigkeit nicht weniger als 15 kN betragen darf. Der Durchrutsch der Schnallen darf außerdem 20 mm nicht überschreiten. Ob ein Gurt diesen Anforderungen gerecht wird, wird mit Hilfe von Sturzversuchen ermittelt.
Die UIAA-Norm verlangt darüber hinaus, dass die Vernähungen an Kraft aufnehmenden Teilen in Kontrastfarben abgesetzt ist.

Schnallensysteme bei Klettergurten

Optimal konzipierte Schnallen sind entweder richtig geschlossen oder vollständig offen. Prinzipiell gibt es 3 Arten von Schnallensystemen. Bei den so genannten Rückschlaufschnallen können die Gurtbänder vollständig entfernt werden. Hier muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Gurtband der Anleitung entsprechend zurückgeschlauft wurde und der Überstand mindestens 10 cm beträgt. Andernfalls ist der Gurt zu klein. Von der Handhabung her sind hier Schnallen ohne Rückschlaufen angenehmer – das Band kann nicht ganz ausgehängt werden, so dass damit bereits eine mögliche Fehlerquelle ausgeschaltet wird. Von der Handhabung optimal, am Markt aber nur noch selten erhältlich, sind Steckschlaufen. Hier werden die beiden Schnallenteile ineinander gesteckt und der Gurt so geschlossen. Daher kann der Gurt besonders leicht angezogen werden.

Was gibt es zur Passform zu beachten?

Jeder Mensch ist unterschiedlich gebaut, jedes Geschlecht hat seine anatomischen Eigenheiten. Kletterer im Kindesalter stellen andere Anforderungen an einen Klettergurt als Erwachsene, Klettersteiggeher und Sportkletterer haben schlichtweg andere Bedürfnisse. Deshalb gibt es nicht den einen universal einzusetzenden Gurt, sondern es stellt sich die Frage was man mit dem Klettergurt vorhat. Wichtig ist vor allem die optimale Passform des Klettergurtes, damit die Klettertour nicht zur Tortur wird. Aus diesem Grund sollte der Gurt vor dem Kauf unbedingt anprobiert werden. Dabei reicht ein kurzes An- und Ausziehen nicht aus. Um die Bequemlichkeit ausreichend beurteilen zu können, empfiehlt es sich einige Zeit in den Gurt zu hängen.
Ein Klettergurt ist von der Größe her richtig eingestellt, wenn zwischen Bein und Beinschlaufe gerade noch eine flache Hand passt. Das Hüftband muss so fest sitzen, dass der Gurt nicht über die Hüften hinunterrutschen kann.

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Was ist wichtig beim Kauf eines Klettergurts?

Das wichtigste Kriterium beim Kauf ist die Passform, hier sollte man keine Kompromisse eingehen. Empfehlenswert ist ein Hüftgurt, der dann bei Bedarf mit einem Brustgurt ergänzt werden kann. Sehr angenehm sind verstellbare Beinschlaufen, dadurch ist man flexibler und kann den Gurt besser auf den eigenen Körperbau anpassen. Dies kann auch im Winter bei dicker Kleidung von Vorteil sein. Des Weiteren ist auf die Anzahl und Position der Materialschlaufen zu achten. Hier sind vier Materialschlaufen geeignet, um für Ordnung und ausreichend Platz für die Kletterausrüstung zu sorgen. Idealerweise sind sie leicht abstehend angebracht, um einfach an das benötigte Equipment zu kommen. Eiskletterer legen außerdem Wert auf Platz für zusätzliche Halterungen, um den Einsatz von Eisschrauben zu vereinfachen. Zu guter letzt ist eine Schlaufe auf der Rückseite nützlich, um den Magnesiabeutel (Chalkbag) zu befestigen.

Pflege und Lebensdauer eines Klettergurts

Wenn der Klettergurt stark verschmutzt ist, sollte er gereinigt werden. Dazu nimmt man am besten lauwarmes Wasser und Neutralseife und putzt den Gurt mit einem Lappen. Anschließend sollte man ihn - ohne ihn großer Hitze und direkter Sonneneinstrahlung auszusetzen - gut trocknen.
Laut Lehrmeinung und Herstellerangaben ist die Lebensdauer eines Klettergurtes mit 5 Jahren der eines Seiles vergleichbar. Trotzdem sollte man den Gurt von Zeit zu Zeit optisch auf Schäden überprüfen. Bei Beschädigung der farbigen Nähte oder der Kraft aufnehmenden Teile wie Hüftband, Beinschlaufen und deren Verbindung, muss der Gurt sofort ausgetauscht werden.