Tipps für den Gebrauchtbootkauf

Diese Hinweise dienen dazu, damit Laien nicht, beim Kauf eines Kanus oder Kajaks über den Tisch gezogen werden. Nichts desto trotz bleibt aber auch der Kauf eines gebrauchten Bootes immer eine Vertrauenssache.

Ein gebrauchtes Boot soll natürlich den selben Zweck erfüllen wie ein neues Boot. Der grosse Unterschied liegt meist in der Optik. Und hier haben wir schon den ersten Punkt. Kratzer gehören einfach zu einem gebrauchten Boot. 

Auch ist es völlig egal, wie oft ein Boot benutzt wurde. Entscheidender ist viel mehr:

  1. Hersteller
  2. Alter
  3. Lagerung
  4. evtl. Schäden
  5. Bootstyp
  6. Material
  7. Neupreis
  8. Anwendungsbereich
  9. Ausstattung

Hersteller

Der Hersteller spielt nur im Punkte der Ersatzteilebeschaffung eine grosse Rolle. Manche Hersteller bieten nicht für alle Bootstypen entsprechende Ersatzteile an und wenn können diese oftmals sehr teuer werden. Also vorab erkundigen.

Alter

Das Alter spielt eine grosse Rolle. Hier wird oft unbewusst oder bewusst geschwindelt. Vor allem bei alteren Faltbooten, welche immer noch gut aussehen, kommt es im hohen Alter oft zur Rissbildung und nachlassender Reparaturfähigkeit.

Lagerung

Ausnahmslos alle Kunststoff Boote sind zu einem gewissen Grade UV empfindlich. Daher sollten diese Boote immer trocken und vor allem vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Am besten lagert man diese Boote unter einer Plane oder einem Dach. Die Plane darf allerdings keinen direkten Kontakt mit dem Boot haben, da es sonst zu Feuchtigkeitsschäden kommen kann.
Bei dem Kauf eines gebrauchten Boots kann man natürlich nur schwer die Lagerung dieses Boots nachvollziehen. Daher gilt hier: Finger weg von Ausgebleichten Booten. Das Risiko für spontane Rissbildung ist zu gross.

mögliche Schäden

nicht reperalbel:

  • Feuchtigkeitsschäden
  • Längsrisse an PE-Boote

schwer reperabel:

  • grosse Risse bei PVC-Booten (Hersteller: Pouch,Ally, Jumbo, Barum)
  • grossflächige Schäden an GfK-Booten
  • Risse an vernetzten PE-Boote (ältere Baureihe um 1980-90)
  • Risse an GfK-Booten

reperabel:

  • kleine Schäden an PE-Booten
  • kleinere Risse an PVC-Booten
  • spachtelbare Löcher an GfK-Boote
  • Sitze nicht fest

kleiner Schäden:

  • kleine Macken an (nicht vernetzten) PE-Booten
  • Kratzer!

Material

Die Frage stellte welches Material das Wunschobjekt haben soll. Es gibt Faserverstärkte Materialien wie GfK, Kevlar oder Carbon, 3-Schichten-PE, Holz und Royalex. Bei den Faserverstärkte Materialien ist der Materialaufbau sehr kompliziert und somit teuer. 

Die Materialien:

GfK-Boote
GfK steht für Glasfaserverstärkter Kunststoff. Grundbestandsteile des GfK sind (Glas-) Fasern und (Polyester-) Harz. Aus diesem Material bestanden vor einigen Jahren noch zahlreiche Boote.
Dieses Material hat den Nachteil, das es bei minderwertiger Verarbeitung eine geringere Schlag- und Reissfestigkeit aufweisst. Daher ist der GfK Werkstoff eher etwas für ruhige Gewässer.
Seid einigen Jahren werden immer mehr GfK Boot aus dem Ostblock nach Deutschland importiert, welche aus einem GfK Material bestehen, welches nicht für den Bootsbau geeignet ist. Diese werden dann meist über das Internet als Gebrauchtboote angeboten, um die Garantieansprüche zu umgehen.
Diese Boote kosten z.T. so um die 500,- Euro. Gute Boote aus Polen, Tschechien, oder sonst woher sind in der Regel um ein vielfaches teuerer.

Polyethylen (PE)
PE ist mittlerweile ein Standardmaterial im Kanusport. Die Vorteile liegen in der Schlagfestigkeit, umweltfreundlicher Entsorgung und Herstellung und vor allem einer hohen Lebensdauer - bei richtiger Lagerung.
Allerdings sollte man nur Boote kaufen, welche von Namenhaften Herstellern kommen und nicht älter als 5 Jahre sind. In den Anfangsjahren um 1980 gab es sehr grosse Probleme mit diesem Werkstoff. Es kam zu Verformungen und Rissen, welche nicht reparabel waren. 

Royalex
Royalex ist um einiges leichter als Dreilagen-PE. Es findet seine Anwendung ausschliesslich im Bau von Canadiern. 

Aluminium
Aluminium findet ebenfalls seine Anwendung ausschliesslich im Bau von Canadiern und spielt im Gebrauchtbootsverkauf nicht eine altzugrosse Rolle, da die Kunststoffe Boot e schon überwiegen. Es ist allerdings sehr gut geeignet, wenn man durch wildere Gewässer paddeln, oder sein Boot nicht immer abdecken möchte. Allerdings sind diese Boote doch recht teuer. 

Holz
Finde seine Anwendung auch überwiegend bei Canadiern. Wird heute aber eher selten verwendet, da bei guter Verarbeitung doch eher teuer. Hier ist vor allem auf die Lagerung des Bootes zu achten. 

Um ein Boot nun wirklich beurteilen zu können, folgende kleine Tipps:

  • die Buchse für die Steueranlage ist bei billigen oft aus Kunststoff. Bei guten Booten aus Metall
  • Wenn die Faserstruktur als feines Gewebe zu erkennen ist, so ist dies ein Kennzeichen für eine gute Qualität.
  • Streifen Sie mit der Hand unter dem Bootsrand entlang. Bei billig verarbeiteten Booten kratzen oft kleinen Fasern unter dem Deck. Hier wurde auf die kostenaufwendige Endverarbeitung verzichtet.
  • billige Boote sind selten mit einem guten Sitz versehen. Schauen Sie nach ob der Sitz wackelt oder stabil sitzt.

Der Bootstyp

Der Bootstyp kann sich auch auf den Gebrauchtpreis auswirken. Hierbei spielt eine Rolle, welches Boot Sie gerade erwerben möchten. Sie sollten sich vorab erkundigen, welche Boote gerade gefragt sind. Bei Kanus und Kajaks sind der zeit vor allem die Zweier- und Tourenboote gefragt. Canadier sind eher nicht gefragt.
Auch spielt die Marke eine grosse Rolle. Hier ist es so wie bei dem Autokauf. Gute Marken haben Ihren Preis. Jedoch ist darauf zu achten, welche Boot man kauft und was sich technisch bei den neueren geändert hat.

Der Neupreis

Der Neupreis bietet natürlich immer einen Anhaltspunkt auf den Gebrauchtpreis.

Anwendungsbereich

Sie sollten sich vor dem Kauf im klaren sein, ob das Boot Ihren Ansprüchen genügt bzw. dazu geeignet ist.
Wohnen Sie im Flachland, so benötigen Sie für Ihre Heimumgebung mit Sicherheit kein Wildwasserkajak.

Ausstattung

Die Bootschale macht einen guten Anteil am Boot aus. Bei Kajaks wird gerne an den Sitzen gespart. Diese lassen sich jedoch ohne Probleme umrüsten. Testen Sie auch bei Kajaks die Steueranlage. Müssen Sie evtl. viel basteln?

Tip:
Sie sehen, die Materie ist sehr umfangreich ist. Von daher raten wir zu einem Kauf im Fachhandel. Dort finden Sie meist die entsprechend gute Beratung, was den Kauf Ihres Wunschbootes angeht.

Viel Glück.

Mit freundlicher Unterstützung von Kanu-Erkner

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