Einleitung

Bevor man sich ein Zelt, welcher Klasse bzw. Kategorie auch immer, zulegt, sollte man sich folgendes vorab fragen:

  • Wie viele Personen, Tiere, Gepäck etc. soll in mein Zelt passen?
  • Wo will ich das Zelt einsetzen? Also was muss es leisten können?
  • Habe ich soviel Gepäck, dass ich ein grosses Vorzelt brauche? Kann man übrigens auch zum Kochen nutzen.
  • Was ist es mir wert?

Leider ist der letzte Punkt nicht immer ein Garant für ein hochwertiges Zelt. Es heisst nicht "um so teurer um so besser". Zumal man auch das Problem haben kann, einen durchschnittlichen Monatslohn für ein leichtes Zelt auszugeben, sich dieses beim ersten Sturm aber in Wind auflöst oder für Interesse bei dunklen Wesen sorgt.

Die Konstruktion

Man unterscheidet vier Arten von Zelten: Tunnelzelte, Kuppelzelte, Campfire Tents und Geodäten.

Tunnelzelte

Tunnelzelte bieten durch ihre nichtgekreuzten Gestänge und recht steilen Seitenwände ein optimales Raum- und Gewichtsverhältnis an. Sie sind schnell und einfach aufzubauen und bei richtiger Lage und Abspannung in Windrichtung auch recht windstabil. Der grosse Vorteil zeigt sich hingegen bei schlechtem Wetter. Das Unterzelt ist meist mit eingebaut und somit vom Überzelt geschützt. Meistens haben diese Zelte auch ein grosses Vordach, unter dem man wunderbar kochen kann.
Um ein Tunnelzelt katalogtauglich aufzubauen, muss es mindestens an den Rohrenden abgespannt werden. Jedoch gibt es auch hier Zelte, welche im Notfall auch mal auf steinigem Boden aufgebaut werden können, ohne abgespannt zu werden (z.B.: VauDe Mark Long).

Campfire Tents

Campfire Tents sind Baumwollzelte in einer bestimmten Konstruktion. Einer der bekanntesten Nutzer dieser Zelte war wohl Bill Mason. In seinen Büchern (Song Of The Paddle, North Word Press, 1988, ISBN 0-942802-845), sieht man diese Zeltart recht häufig auf Fotos.
Die grosse Geräumigkeit, die Variabilität und die Feuerfestigkeit dieses Zelttypes ist wohl kennzeichnend. In diesem Zelttyp kann man nämlich aufrecht stehen. Der Stoff wird dabei durch ein rechteckförmiges Aluminiumgestell gehalten.
Der grosse Vorteil liegt aber wohl im Gestänge selber. Da diese Alustangen gerade sind, können diese im Falle eines Defekts auch durch Holz oder ähnliches ersetzt werden. Ein wesentlicher Nachteil ist allerdings das hohe Gewicht sowie der nicht gerade einfach zu handhabende Aufbau des Zeltes. Der Einsatzbereich liegt unterhalb der Baumgrenze, wo Gewicht nicht die Hauptrolle spielt. Erste Wahl sind sie wenn man plant, für längere Zeit an einem Ort zu bleiben.

Kuppelzelte

Kuppelzelte werden mit kreuzenden Gestängen aufgebaut. Meist kreuzen sie sich auch noch an mehreren Stellen. Dadurch erhöht sich das Gewicht der Zelte um einiges. Dafür sind die Kuppelzelte um ein vielfaches windstabiler als  Tunnelzelte. Wie beim Tunnelzelt gibt es auch hier Konstruktionen, welche das Innenzelt unter dem Aussenzelt verstecken und somit bei schlechtem Wetter vor Regen schützen. Jedoch haben die meisten Kuppelzelte ein loses Aussenzelt, welches erst nach dem Aufbau des Innenzeltes übergestülpt werden kann.
Ein weiterer Vorteil liegt darin, das diese Zelte meist auch ohne eine Abspannung auskommen und somit die Zelte jederzeit von einem Liegeplatz zum anderen Liegeplatz getragen werden können.

Geodäten

Geodäten sind Sonderformen der Kuppelzelte. Schon wenn man diese Zelte auf Distanz betrachtet, wirken sie recht windunempfindlich. Und tatsächlich bieten solche Zelte ein Maximum an Stabilität. Es ist egal, ob der Sturm gegen das Zelt drück oder sich literweise Wasser über das Zelt ergiesst. Ein Geodät verkraftet dies wesentlich besser als eines der oben genannten Zelte. Allerdings liegt das Gewicht bei diesem Zelttyp nochmals höher als beim reinen Kuppelzelt, da mehr Gestänge verwendet werden.

Wasserdichtheit und Gestänge

Schön wäre es, wenn ein Zelt wasserdicht ist. Dies ist laut der wunderbaren DIN Norm ab 1500mm Wassersäule gegeben. Die Wassersäule ist eine Masseinheit, um die Dichtigkeit z.B. von technischen Geweben (Zelte, Funktions- und Regenbekleidung) anzugeben (= Wassermenge, die auf dem Gewebe lasten kann, bevor es Feuchtigkeit durchlässt). Die Praxis zeigt aber, dass die Bürohengste davon keine Ahnung haben. Auf längere Sicht hin hat sich eine Wassersäule von 3000mm bewährt. Grund dafür ist die Abnutzung der Zeltoberflöche (Abrieb, UV-Strahlung, Alterung etc.).
Am wichtigsten ist die Wasserdichtigkeit nicht am Dach, sondern am Boden. Was nutzt ein hundertprozentig wasserdichtes Dach, wenn der Fluss sich über den Zeltboden seinen Weg sucht. Hier ist eine Wassersäule von 6000mm schon ein Muss.

Zusätzliche Beschichtungen auf den Trägermaterialien verhindern zudem das Durchdringen von Wasser. Hier haben sich als Materialien für die Beschichtung Polyuhrethanfilme (PU) oder Silikone (SI) und für die Trägermaterialien Polyester (PE) oder Nylon bewährt.
Bei den Gestängen haben sich die Aluminiumlegierungen, welche sehr leicht und flexibel sind, gegenüber den Glasfiebergestängen durchgesetzt. Aber auch Alu kann brechen. Man sollte also immer eine Notfallhülse, wie sie bei jedem guten Zelt dabei liegt, mit sich führen. Somit ist Alu auch reparaturfähig, im Vergleich zum Glasfieber.

Der Grundriss

Das Vorzelt heisst in der Fachsprache Apsis. Dies ist beim Zelten die Hundehütte, Kühlschrank, Abstellraum, Kochnische oder Garage für Radel, Motorrad, Kinderroller. Die Apsis eines Zeltes besitzt keinen Unterboden, was bei Dauerregen die Lagerung von Lebensmitteln erschwert und auch "Rex" nicht gerade erfreuen wird, wenn sich Herrchen drinnen im Schlafsack breit macht und Rex draussen Schmiere stehen soll. Je grösser also die Apsis ist, desto wetterunempfindlicher wird das Zelt.
Sehr zum Vorteil sind Zelte mit zwei Apsiden. Unter einer kann man die Speisekammer etc. eröffnen und die andere zur Flucht oder zum schnellen Toilettengang nach dem Essen nutzen.
Auch für Leute mit Waschproblemen auf längeren Reisen sind zwei Apsis sehr zu empfehlen, da dadurch die Belüftung im Zelt nochmals verstärkt wird. Die Luftzirkulation ist in einem vollbesetzten Zelt wirklich wichtig. Sie dient der Vorbeugung der Kondenswasserbildung am Aussenzelt. 

Die Reparatur

Hat man bei einem Sturm das Gestänge im Gesicht und muss raus in die Kälte um das Problem zu beheben, dann sind Gestängereparaturhülsen ein wahrer Segen. Diese stülpt man über die beiden gebrochenen Enden. Meist reicht dies schon. Falls nicht, einfach die Hülse an beiden Enden nochmal mit einer Zange leicht zusammendrücken oder mit Klebeband fixieren. Bei den meisten Gestängen lassen sich einzelnen Aluminiumgestänge nachkaufen.

Links


Nach oben