Transalp von Innsburck zum Gardasee

Kuh am Passo Cinque Croc
Kuh am Passo Cinque Croc
  • Kilometer: 413,53 km
  • Höhenmeter: 14086 Hm
  • Schieben: 5,16 km
  • Asphalt: 222,9 km
  • Schotter: 156,44 km
  • Wanderweg: 6,17 km
  • Pfad: 22,86 km
  • Höchstgeschwindigkeit: 82 Km/h
  • benötigte Zeit: 8 Tage
  • Schwierigkeitsgrad: mittel bis leicht (geübte Fahrer)

GPS Track zum Downloaden

Aufstieg nach Vills-Igls
Im Hintergrund Innsbruck

Bericht

Die Faszination einer Transalp führt uns im Juni 2007 nach Innsbruck. Den Start beginnen wir mit dem olympischen Gedanken "Dabei sein ist alles" und radeln vom Tivoli Stadion in Richtung Vill-Igls. Unser Ziel ist der Gardasee. Quer durchs Wipptal radeln wir gemächlich bergauf. Rechts am Hang begleitet uns österreichs meist befahrende Autobahn. Kurz darüber erblicken wir die Kirchdachspitze mit ihren 2840m Höhe. Weit in der Ferne, irgendwo hinter den zahlreichen Bergen liegt der Brenner.

Kammstrasse an der Sattelalm
Kammstrasse an der Sattelalm

Übergang in den Süden, Richtung Venedig, Florenz oder eben dem Gardasee. Hier am Brenner wartet auch gleich der erste grössere Anstiege auf uns; der Weg zum Sattelberg. Wie uns Einheimische in Vinaders zu berichten wissen, gibt es an der Grenze zwischen Italien und Österreich einen "bösen Bauern", welcher uns Mountain Biker nicht mag. So hat der "böse Bauer" einfach seinen Landbesitz und wohl auch noch reichlich darüber hinaus für Radfahrer gesperrt.

Grenze Österreich / Italien
Grenze Österreich / Italien
Geisleralm 1996 ü NN
Geisleralm 1996 ü NN

Wir halten uns an das Verbot und schieben bis hoch zur alten Grenzkammstrasse. Auf gut 1800m Höhe radeln wir fast eben in Richtung Kreuzjoch. Zahlreiche Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg zeugen hier oben vom dem Grössenwahn des urdeutschen Österreichers und der Standhaftigkeit des deutschen Betons. Bei guter Sicht kann man bis in die Zillertaler Alpen blicken.
Eine lange Abfahrt bring uns wieder ins Wipptal, wo wir dann in Sterzing ins Eisacktal abbiegen. Auf einem gut ausgebauten Radwanderweg folgen wir dem Fluss Eisack Isarco bis Vahrn. Der Weg führt uns vorbei an Burgen, Weinhängen und Bauernhöfen, bis wir in Brixen landen. Hier ist laut Reiseführer die Möglichkeit zur Übernachtung gegeben. Nur leider nicht zu unseren Preisvorstellungen. Zu dem sind zahlreiche Unterkünfte im Sommer nicht geöffnet. Hier lebt man noch von den Skifahrern. Erst in Albeins werden wir fündig.
Am nächsten Tag geht es durch das Villnösstal bergauf. Vor uns liegen die Dolomiten mit ihren schroffen, kargen Gipfeln. Wie hingemalt stehen sie vor uns. Satt sehen können wir uns daran nicht. Es ist zu unglaublich und entschädigt vor allem Eva für die Strapazen des Bergauffahrens. Noch mehr werden wir auf der Geisleralm für unsere Anstrengung belohnt.

Blick auf die ersten Berge der Dolomiten
Blick auf die ersten Berge der Dolomiten

Die Hütte wurde auf 1998m Höhe im Jahre 2005 errichtet.Uns bleibt Sie in Erinnerung als kulinarische Hochburg. So gut haben wir bisher noch nie auf einer Hütte und auch in keiner Gaststätte gespeist. Allein für den Apfelstrudel lohnt sich der Weg hierher - und das ist keine Lüge.
Von der Geisler Alm geht es auf dem Adolf Munkel Weg, einem schmalen Singeltrail, welcher nur abschnittsweise zu befahren ist, hinüber zur Brogles Alm (2045m). Laut Reiseführer wäre die Übernachtung eigentlich auf der höher gelegenen Brogles Alm möglich gewesen. Als wir dort vorbei kamen, war diese allerdings verschlossen. Vom Brogles Sattel geniessen wir einen Ausblick auf die vor uns liegende Seiser Alm. Aber zuerst geht es bergab nach St. Ullrich. Der Forstweg lädt zum Schnellfahren ein. Kurz vor dem Ortseingang nach St. Ullrich verweist uns ein Schild, das wir nun nicht mehr Schlitten fahren dürfen. Wir halten und daran und biken weiter. In St. Ulrich wohnte einer der berühmtesten Südtiroler, der Schauspieler und Bergsteiger Luis Trenker.

Passo Duron
Passo Duron

Bei glühender Hitze und zur vollen Freude von Eva starten wir gegen Mittag von St. Ullrich hoch zur Saltner Schweige. Aber der Weg lohnt sich. Oben angekommen empfängt einen nicht nur eine himmlische Anzahl an Touristengruppen, sondern auch eine alpine Landschaft zum träumen. Wenn man sich die Alpen im Sommer im Berliner Hinterhof vorstellt, dann so wie hier. Ein Foto vermag nicht das festzuhalten, was das eigene Auge erblickt.
Weiter oben am Passo Duron (2204m) erreichen wir zudem unseren höchsten Punkt auf dieser Transalp Tour. Vom Passo Duron geht es im Valle di Duron Tal bergab bis nach Campitello. Ab hier führt ein Radwanderweg bis in den Wintersportort Moena. Wintersportorte bedeuten für Radsportler immer eine erschwerte Unterkunftssuche. Unserer Reiseführer versprach uns oft mehr, als vorhanden war.

Val Venegia Tals
Val Venegia Tals

Dafür kamen wir jedoch in Moena in den Genuss eines "4 Sterne Pseudo Hotels", wo Eva zwei vollkommene Stücken Mozzarella, frisch aus der Verpackung und vier Scheiben Tomate, als Hauptspeise gereicht wurden.
Von Moena führt uns der Weg hoch zum Passo di Lusia und von dort über den verlassenen Ort Paneveggio zum Passo Rolle. Der Weg zum Passo Rolle entpuppt sich für Eva, als harte Herausforderung eines Erst-Transalp-Absolventen und für mich als Hochgenuss alpiner Landschaftsdarstellung. Langsam und zum Ende steiler schmiegt sich der Weg am Hang des Val Venegia Tals bergauf. Vor Augen immer die drei grossen Gipfel; Camp. di Val Grande (2995m), Cma. di Val Grande (3038m) und Cma. die Bureloni (3139m).
Vom Passo Rolle radeln wir auf Asphalt, dem Geschwindigkeitsrausch hingebend, bergab. Gute und schöne 6km Abfahrt, nicht unter 50 km/h kommend bis San Martino. Auch hier wieder Unterkunftssuche unter den pseudo und realen Sterne Hotels. Dies mal ein Real 3 Sterne Hotel zum Studentenpreis.

Passo Cinque Croc
Passo Cinque Croc

Der Malga Tognola sollte unser nächstes Ziel werden. Leider war der Weg dorthin gesperrt. Nun hiess es Karten studieren und einen Ersatzweg ausfindig machen. Dieser führt uns nun über den Refugio Miralage und weiter über Zorlea ins Valle del Vano Tal. Um uns herum dichte bewaldete Berghänge, eine mehr oder weniger befahrende Landstrasse und links von uns der T.Vanoi Fluss. Der Weg leicht ansteigend. Erst ca. 8 Kilometer vor dem Passo Cinque Croci sollte es leicht steiler werden. Die Forststrasse ist aber gut zu fahren. Am Passo Cinque Croc (2018m) pfiff uns dann der Wind um die Ohren. Eigentlich wollten wir hier oben eine Rast einlegen. Daran war nicht mehr zu denken. Wir fanden kaum Halt. Mit aller Kraft setzen wir über den Pass in Richtung Rifugio Carlettini. Ganze 18 Kilometer, von 2000m Höhe auf gut 300m Höhe, ging es bergab. Vor uns immer ein grandioser Blick ins weite Tal.

Gardasee
Gardasee

Über die Städte Spera und Argendo radelten wir bis Borgo. Ab hier verloren wir den Durchblick unserer Routenbeschreibung. Wir verloren den Blick für die Schönheit der Umgebung in den Tiefen unserer Karten und den italienischen Wegbeschreibungen netter Menschen. Irgendwie kamen wir dann doch in Martern an. Kurze Zeit später bezogen wir unser Quartier im La Vedora, zu deutsch Zur Schwiegermutter. Und das Muttchen war wirklich einmalig. Eine ältere Dame, mit Kittelschürze und verfilztem Haar (Alter schwer zu schätzen), hatte ihre jungen Mitarbeiter gut im Griff. Italienischer Flair kam auf.
Mit dem Flair und dem Rhythmus geht es am nächsten morgen hoch zum Passo Croz Coel und weiter auf dem Kaiserweg, einem Kammweg bis nach Bertoldi. Hier kommen wir gerade noch rechtzeitig, kurz vor 12 Uhr um alle Dinge für eine deftige Brotzeit einzukaufen.
Als wir über den Passo Sommo nach Folgaria kamen, entschlossen wir uns direkt nach Rovereto zu fahren. Gute 12 Kilometer ging es nun wieder bergab. Immer im kleinen Kampf um die beste Kurvenlage mit den zahlreichen Motorradfahrern.
Im Tal radelten wir dann auf einem gut ausgebauten Radwanderweg bis Rovereto. Von hier waren es nur noch 13 Kilometer bis zum Gardasee. Wir hielten es nicht mehr aus und machten uns auf den Weg.
Die letzten 13 Kilometer waren von einem Rückblick der Tour und der Freude auf den Gardasee geprägt. Und dann lag er vor uns. Für Eva das erste mal auf einer Transalp. Für mich das fünfte mal. Egal ob das erste oder das fünfte mal. Die Freude bei diesem Anblick ist immer die gleich.

Wir sind Transalp Finisher.

Unterkünfte unserer Tour

  • Geisleralm (1996 ü NN) - im Naturpark Puez-Geisler im Villnösser Tal
  • Gasthof Tauber, Albeins, Südtirol Tel. + Fax. 0039(int. Vorwahl) 0472-851033
  • Villa al Vento - Gardasee
  • Hotel Letizia - San Martino di Castrozza
  • Rifugio Refavaie - loc. Refavaie - Caoria-  alto Vanoi   comune di  Pieve Tesino, Tel. Fax   +39/(0)439/710009  
  • Privatezimmervermietung Maria Strickner, Vinaders 342, A-6156 Gries am Brenner, Handy: +43/(0)664/5406958, Tel: +43/(0)5274/87549

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