Wegweisser des Saaleradweges
Wegweisser des Saaleradweges

Saaleradweg

  • Kilometer: 447 km
  • geeignet fär: aller Art von Fahrrädern
  • Zeit: 4-8Tage
  • Schwierigkeitsgrad: mittel bis schwer
  • Strecke: überwiegend Asphalt, wenig befestigte Wald-/Feldwege
  • Familienfreundlich: erst ab Saalfeld, vorher zu bergig

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Saale Quelle
Saale Quelle

Die Saale entspringt einem alten Bergstollen am Nordwesthang des Waldsteins imFichtelgebirge in Oberfranken. Auf ihrem Weg durchquert sie Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dabei windet sie sich in unzähligen Schleifen vom Fichtelgebirge bis zur Mündung in die Elbe, bei Barby. Die Saale ist ein Fluss für den anspruchsvollen, sportlichen Radwanderwege-Geniesser.
An der Quelle, 728m hoch, ist die Saale noch ein Rinnsaal und fliesst eher unauffällig durch das verschlafene Zell. Erst langsam wird die Saale zu einem kleinen Fluss, welcher Berg auf, Berg ab sich bis Hof schlängelt Hof.

Radweg hinter Zell
Radweg hinter Zell

Hof, eine reizvolle Stadt mit einer Altstadt, welche die Nachkriegszeit geprägt hat. Da zwängen sich Neubauten zwischen Altsubstanz, welche merken lassen, dass hier wohl kein Architekt mit Gefühl am Werke war. Ruhe findet man in Hof im botanischen Garten. An idyllischen Ruheplätze finden sich genügend Sitzgelegenheiten, um die Seele baumeln zulassen. Am besten bei einem Radler direkt an der Saale, welche hier noch gemächlich Stromabwärts fliesst. In Untertiefengrün verlasse ich dann Bayern und radle hinein in Thüringen ein, das Land von Bach, Goethe, Schiller und Wieland.
In Blankenberg, Saale abwärts, fahre ich ein Stück mit der von Hans Vogel gebauten Parkeisenbahn den alten Grenzstreifen entlang und bestaune die Reste der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Kurz darauf folgt Blankenstein. Anfang oder Ende des Rennsteigs. Deutschlands bekanntestem Wanderweg. Hier findet sich der in Stein gehauene Rennsteigwanderer und ein Gedenkstein für Julius von Pläncker, dem Topographen des Rennsteiges.

Fernwehpark in Hof
Fernwehpark in Hof

Allmählich steigt auch der Saalepegel an. Die beiden Stauseen Bleiloch-, dann die Hohenwarte-Talsperre, welche mit zu den grössten Deutschlands zählen, kündigen sich an. Schon zu DDR Zeiten ein beliebtes Ferienziel, haben die beiden Seen daran nichts eingebüsst. Direkt am See schlage ich auch mein Nachtlager auf. Kurz darauf komme ich in den Kontakt mit freundlichen Polizisten, welche mich darauf hinweisen, das Wildcamping eigentlich nicht erwünscht ist und unter Strafe steht. In meinem Falle, als Radsportfreund, mache man jedoch eine Ausnahme, ich darf bleiben.
Wenige Kilometer hinter der Bleiloch Talsperre besichtige ich das gut erhaltene Schloss von Burgk. Hinter der schlichten schmucklosen Fassade verbergen sich überraschend viele historisch oder künstlerisch wertvolle Exponate.

Hinter Talsperre Hohenwarte
Hinter Talsperre Hohenwarte

Auf dem weiteren Weg zeigt sich, wie tief sich die Saale in die umliegenden Hügel gegraben hat. An der Fähre Linkenmühle lohnt es sich auf dem Aussichtspunkt Hohe Leite zu steigen. In Saalfeld, dem Wohnort der beiden Weltenbummler Brümmer und Glöckner, geniesse ich auf dem Marktplatz unter Bäumen vorm Rathaus mit der Renaissancefassade einen Cappuccino. Mit seiner über 1100-jährigen Geschichte gehört Saalfeld zu den ältesten Städten des Freistaates Thüringen. Es ist Tor zu unbekannten Region innerhalb Deutschlands und gleichzeitig Tor für den familienfreundlichen Saale Radweg. Ab hier geht es überwiegend flach an der Saale entlang.

Blick auf Rudolstadt
Blick auf Kahla mit der Leuchtenburg

In Rudolstadt, der Stadt des ersten deutschen Freiluftmuseums, trafen sich Goethe und Schiller zum ersten Mal. Malerisch liegt Rudolstadt zu Füssen der Heidecksburg, welche den wohl schönsten Rokokofestsäale Deutschlands besitzt. Sagt man zumindest.
Bald darauf erreiche ich die Universitätsstadt Jena. Hier her zog es seid Jahrhunderten schon Dichter, Denker und Wissenschaftler. Hier forschte Goethe, Professor Schiller hielt hier an der Universität seine Antrittsvorlesung. Aber auch der Grosse Franzose Napoleon kreuze Jena auf seinen Feldzug. Carl Zeiss und Ernst Abbe gründetet hier optische Industrie. Im Optischen Museum lässt sich die Geschichte dazu studieren. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hielten hier Reden, später Hitler und Goebbels. In den zahlreichen Café lässt sich ein Hauch des Studentenlebens einfangen.

Schloss in Saaleck
Schloss in Saaleck

In Saaleck zwei Geschichtsträchtige Burgen. Rechts die Burg Saaleck, wo die Mörder des jüdischen Aussenministers Walther Rathenau, Erwin Kern und Hermann Fischer gefasst wurden. Den einen trafen tödliche Schüsse seiner Verfolger, der andere nahm sich das Leben. Links die Rudelsburg, welche 1826 den Studenten Franz Kugler zum Lied `An der Saale hellem Strande` inspirierte. Der Radweg bietet eben nicht nur landschaftliche Reizvolles, sondern auch deutsche Geschichte, für den welcher mit offenen Augen radelt.
So findet man in Naumburg den Naumburger Dom `St. Peter und Paul, eines der berühmtesten deutschen Bauwerke des Mittelalters. Im Inneren des Doms finden sich Stifterfiguren und Skulpturen des Westlettners, Werken des Naumburger Meisters.
An der Mündung der Unstrut in die Saale, vor den Toren Naumburgs, treibt eine kleine Fähre über den Fluss und transportiert den Interessierten nach Freyburg zur Besichtigungstour in der Rotkäppchen Sektkellerei. Die Kanustation vor Ort lockt zum Paddeln auf der restlichen Strecke bis zur Mündung.

Barby
Barby

Ab Halle können nun auch Schiffe auf der Saale schippern. In Wettin erinnert nur noch eine kleine Werft an die 600 Binnenschiffer, welche hier früher lebten. Dennoch ist bei dem niedrigen Wasserstand nicht gerade viel los an Binnenschifffahrt. Daher gibt es Pläne zum Kanalbau. Der Streit der verschiedenen Interessengruppen ist bereits schon seid dem Planungsstadium voll entfacht.
Die Saale schlängelt sich aber vorerst noch weiter bis nach Bernburg. In Bernburg steht auf dem ?stlichen Ufer das mächtige Renaissanceschloss der Fürsten und Herzöge von Anhalt-Bernburg (1603 - 1863) hoch oben auf dem Sandsteinfelsen. Es ist der für mich das letzte kulturelle Highlight meiner Saaleradtour. Wenige Kilometer später Mündet die Saale im Unesco-Biosphärenreservats in die Elbe. Der letzte Ort vor der Mündung ist Klein Rosenburg, wo sich die gleichnamige Burg befindet. Seid dem Jahre 2006 ist die Burg für Besucher wieder offen.
Ich bin am Ende eines wunderbaren, nicht immer einfach zufahrenden Radweges, welcher mich durch die Geschichte und die Neuzeit Deutschlands führt. Ein wunderbares Stück Deutschland.

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