Nordvietnam

"Einreise von Laos nach Vietnam am Nikolaustag oder Verabschiedung aus der ruhigen Galaxy" :Logbucheintrag vom 06.12.1010 von Kommander Eva und Lutenend Mike. Der Weltraum - unendliche Weiten. Dies sind die Abendteuer...

Am Grenzuebergang werden wir von einem kleinen Heer Grenzhueter empfangen. Wir scheinen eine willkommene Abwechslung mit unserem Raumschiff...aeh...Fahrraedern zwischen all den LKW's zu sein. Zuruckhaltung ist im Mikrokosmus Vietnam auf dem Planeten Erde eine Untugend! Mike steigt vom Rad ab und die Beamten versuchen aufzusitzen ohne Vorwarnung. So schaffen sie es innerhalb kuerzester Zeit das Raumschiff - aeh - Liegerad zweimal umzuwerfen und Lutenend Mikes Geduld auf die Probe zu stellen. Neue Galaxie - neue Lebensweisen! Ja Vietnam kam uns doch schon ein wenig ausserirdisch vor! 

In den naechsten Tage wird sich diese Szene noch haeufig wiederholen.  Immer wieder versucht mindestens ein Vietnamese draufzuklettern sobald Mike den Hintern vom Rad runter hat. Dabei sind sie eigentlich ganz flink und geschickt und ruck zuck sitzen sie freudestrahlend drauf. An dieser Stelle muss man zum ersten Mal die tiefgreifende Bedeutung des Motrorrollers im Leben eines Mofanesen - aeh - Vietnamesen erwaehnen. Der Roller scheint hier der wichtigste Begleiter. Er darf ueberall mithin und ihm wird jedes Geheimniss anvertraut. Er lebt mit im Wohnhaus oder auf dem Buergersteig und ist unentbehrlich zum Einkaufen und Essenholen. Natuerlich wird dabei nicht vom Mofa abgestiegen, sondern die Bestellung ins Geschaeft gebruellt. Desweiteren dient er als Sitzbank fuer junge Paare und so mancher verbringt darauf ganz selbstverstaendlich seinen Mittagsschlaf. Die Liebe zum Zweirad und erst recht zu so einem ausgefallenen wie Mike es nun faehrt liegt ihnen einfach im Blut.

In den folgenden Tagen verabschieden wir uns nach und nach von den Bergen. Die Orte werden umso groesser je naeher wir dem Meer kommen. Wie schon in Laos ist die Bauweise der Haeuser auffaellig. Viele von ihnen sind nur drei bis vier Meter breit, dafuer aber um die 50 Meter lang.  Die Handwerksfamilien die hier leben haben vorne ihren Laden, dahinter dann die Werkstatt und dahinter die Wohnraeume. Die Landschaft ist gesaeumt von immer kleiner werdenden Bergen, Menschen die mit Ochsenkarren auf den Feldern arbeiten und zahlreichen Kirchen und Kathedralen. 

Gerade Anfangs faellt es uns schwer die Menschen hier richtig einzuschaetzen. Einerseits wirken sie respektlos, abgestumpft und teils sogar frech, dann wiederrum begenen sie uns witzig und extrem grosszuegig. So wurde gerne versucht fuer uns die Hotelpreise neu zu erfinden oder auch Lebensmittel ueberteuert an uns Weissen zu bringen. Gluecklicherweise hatten wir von ihrer Freude zur spontanen Preiserhoehung von anderen Reisenden erfahren. So machten wir uns schon fast einen Spass daraus zu feilschen und auf einen angemessenen Preis zu bestehen. Trotzdem enttaeuschen uns diese Erfahrungen ein wenig. In all den anderen Laendern galt ein Wort beim Verhandeln und auch beim Essen gab es keine Diskussion, alle zahlten die selben Preise. Dann wiederrum bringen uns Menschen zum Erstaunen. Einer "verfolgt" uns zwei Tage mit dem Roller bis wir uns ueberreden lassen. Er moechte uns unbedingt zu Kaffee und Kuchen einladen. Als wir gar nicht mehr drumrumkommen ist er gluecklich sich mit uns Auslaendern auf Englisch zu unterhalten und er stellt sich als ueberaus freundlich heraus. Ein junger Geschaeftsmann laesst es sich nicht nehmen uns zu einem fuerstlichen Abendessen einzuladen und dann auch noch unser Hotelzimmer zu bezahlen.

Am Meer selbst ist es vergleichsweise ruhig, wir sind ausserhalb der Saison. Ganz und gar nicht ruhig ist die Situation auf der Strasse. Schrille Hupen und ruecksichtslose Fahrweise rauben uns den letzten Nerv. Selbst in Indien und Nepal viel es uns leichter uns dem Verkehrsfluss anzupassen. Doch hier kommen wir nicht auf das Konzept das hinter dieser Fahrweise steckt! Alle fahren gleichzeitig, auch an der Kreuzung. Dabei geht es unvermeidbar knapp aneinander vorbei! So folgen wir der Kueste bis Ha Long City. 

Hier kommen wir wieder zum Entspannen und geniessen einen sonnigen Tag in der Ha Long Bucht. Wir mieten eine der unzaehligen Holzjunken und lassen uns stundenlang um die schoenen Berginselchen schippern. Zwischendurch gibts kleine Stops z.B. am TiTop Strand (keine muss, 100m Strand mit Eintritt) und an der Thien Cung-Grotte, welche in einem schoenen psychedelischen Licht erstrahlt. Nicht umsonst gehoert diese Bucht mit ihren 2000 Inselchen zum Unesco Weltkulturerbe. Ein absolutes Highlight unserer Reise!

Nicht weit von Ha Long City liegt Vietnams Hauptstadt Ha Noi. Trotz 6 Millionen Einwohnern ist sie recht ueberschaulich. Gut 3 Mio. Mofas machen den Verkehr in der Stadt zu etwas Besonderem. Gerade in der Altstadt ist da zur Roush Hour kaum ein Durchkommen. Wer dann zu Fuss durch Old Ha Noi trabt, der muss mehr auf Mofas und seine Gesundheit achten, als auf Geschaefte und Sehenswuerdigkeiten. Fusswege finden sich zwar, leider aber nur unter den Reifen der dort parkenden Motorroller.

Ein wenig Natur finden wir am Hoan Kiem See, welcher heute noch Lebensraum einer riesigen Schildkroete ist. Angeblich bekommen Spaziergaenger sie dort nur alle paar Monate zu Gesicht. Tatsaechlich haben wir das Glueck zu an der Wasseroberflaeche zu entdecken. In der Naehe der Zitadelle besuchen wir Ho Chi Minh in seinem Mausoleum. Wer Onkel Ho besuchen moechte braucht Zeit und Geduld. Etliches Wachpersonal sorgt dafuer, das keiner irgendwo versucht abzukuerzen. Nicht mal ueber die Gruenflaeche vor dem Mausoleum darf man aus bestimmten Richtungen laufen. Alles hat seine Ordnung und die ist auch bitte einzuhalten!

Am heiligen Abend steht in Hoehe der Jadeberg Insel eine Buehne fuers Weihnachtsfest. Gefuehlte und gerochene 3 Mio. Mofas verstopfen die Strassen vor der Buehne, weil keiner von seinem Mofa lassen kann und es bis vor die singende Kindergruppe mitmuss. Der clevere Mofafahrer weicht dann auf den Fussweg aus und versucht sein Glueck mank der Passanten. Die Polizei bleibt dabei ruhig auf ihren kleinen Plastikhockern im Stuhlkreis sitzen. Ha Noi ist quicklebendig anders.