Neuseelands Südinsel mit dem Liegerad

Verpackte Räder

Aortearora - „Land der großen weißen Wolke“ so wundervoll klingt der Name eines Landes, welches an Vielfalt kaum zu überbieten sein soll. Fjorde wie in Norwegen, Berge wie in den Alpen und Strände wie auf den Kanaren – Neuseeland - Traumland am anderen Ende der Welt! Das wollen wir sehen! Bereits im Januar buchen wir unseren Flug für Ende September und das ganze Jahr über fiebern wir auf das grosse Abenteuer hin. Bereits aus der Luft bietet sich uns ein einzigartiges Bild der noch dicht beschneiten Südalpen. Berge über Berge…wo sollen wir hier nur Radfahren?

Nach 23 h Flugzeit erreichen wir die größte Stadt der Südinsel - Christchurch. Hier ist vom Schnee nichts mehr zu sehen. Die Stadt erwacht und sie erlebt ihre ersten sonnigen Frühlingstage in diesem Oktober. Leicht zerknittert steigen wir aus der Maschine, nehmen unsere Räder in Empfang, machen sie fahrtüchtig und dann geht’s mitten durch die Stadt ans andere Ende zu unser Unterkunft, der Hoonhay Valley Lodge, für die erste Nacht.

Hinweisschild

Es liegen 4 ½ Wochen Liegeradtour vor uns und wir sind mitten drin in einem Land von dem zahlreiche Radfahrer träumen. Dennoch gehört es nicht zu den klassischen Radreiseländern. Warum - wird uns schnell klar! Vorerst hat unsere Tour nichts mit Traumurlaub zu tun.

Es ist der kalte Gegenwind, welcher uns erbarmungslos entgegenweht und unsere gute Laune auf die erste Probe stellt. Er lässt uns kaum von der Stelle kommen, ja sogar bergab muss kräftig gestrampelt werden und zur Krönung rüttelt er nachts wie wild am Zelt und raubt uns den Schlaf.

 

on the Road

Der nächste Alptraum ist die Strasse Nr. 1 welche von Christchurch in Richtung Norden nach Picton führt. In Neuseeland gibt es keine Autobahnen. Na und? Das heißt, dass die zahlreichen LKW`s sich neben uns auf der schmalen Landstrasse drängeln. Ein kaum wahrnehmbarer Standstreifen schützt uns nicht ein bisschen vor den viel zu dicht an uns vorbeirauschenden Riesen. Sehen sie uns denn nicht?! Um unserer Glück an diesem ersten Reisetag noch perfekt zu machen haben in Neuseeland die Ferien begonnen und das ganze Land ist in Bewegung dorthin wo der Kiwi sehr gerne seine freie Zeit verbringt - dem Norden der Südinsel, der auch unser Anlaufspunkt ist.

unser 1. Schlafplatz

Unser Zelt schlagen wir für diese Nacht auf einem Feldweg nahe der Main Road auf. Dachte ich zumindest es gäbe nichts einfacheres als in einem grünen Land wie Neuseeland einen wunderbaren Zeltplatz zu finden. Doch getäuscht! Jeder nur annähernd als Weideland nutzbare grüne Quadratzentimeter ist hier von Zaun umgeben.
Mike baut mit einer beruhigenden Routine in kürzester Zeit unsere Unterkunft auf, kocht uns Nudeln mit Soße und schon sieht die neue Welt wieder etwas rosiger aus.
Immerhin stehen am Tagesende 70 km auf dem Fahrradtacho. Wir haben uns vorgenommen jeden Abend ein paar Zeilen in unser Reisetagebuch zu schreiben. Mike ist beeindruckt von den schönen grossen LKW s, mir bereiten sie eher Alpträume vom Strassengraben. Die Landschaft schön, aber nicht aussergewöhnlich für uns Voralpenbewohner. Die Neuseeländer jedoch wirklich auffällig freundlich und grinsend winken sie uns häufig aus ihren Autos zu. Ach ja und Schafe haben wir natürlich auch schon gesehen. Soweit die Eindrücke des ersten Tages. Mein Wunsch für morgen: einsamere Strassen!

Gore Bay
Gore Bay

Am nächsten Morgen ist das Zelt schnell wieder verpackt. Wir frühstücken Toastbrot mit Nugatcreme, Marmelade und dazu eine Tasse warmen Tee – wunderbar. So wird unser Frühstück die nächsten 4 Wochen aussehen.
Erneut folgen wir der Strasse Nr. 1. Durchqueren nun das Waipara Weinland. Sehen hier und da ein Weingut. Der Verkehr hat sich nur unmerklich gelegt, wir gewöhnen uns zwangsläufig daran. Der Wind ist dafür noch mehr geworden. Unser Weg führt auf und ab, und auf und ab. Nie besonders steil. Sanftes grünes Hügelland mit Schafen. Ab und zu erhaschen wir einen Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Südalpen. In Cheviot wollen wir die Nacht verbringen. Auch heute haben wir fast 70 km geschafft. Der Ort ist winzig klein, ein Supermarkt, eine Kirche, ein paar Häuser und ein Campingplatz. Wir nächtigen auf einer saftig grünen Wiese unter einem Baum. An diesem Abend können wir schön duschen und es uns in der Küche gemütlich machen. Hier ist zwar alles nur sehr notdürftig eingerichtet, doch das spielt hier draussen überhaupt keine Rolle. Wir gewöhnen uns sehr schnell an dieses einfach aber funktionelle Leben. Der Campingplatzbesitzer schenkt uns eine Schachtel voll Eier von seinen freilaufenden Hühnern. Wir freuen uns und verstehen nicht ganz warum. Isst der Kiwi wohl gerne Eier zu Abend? Jedenfalls verfeinern wir damit unser Essen. Erst am nächsten Morgen erfahren wir, dass der Neuseeländer, eben wie der Engländer bevorzugt Eier und Speck zum Frühstück genießt Und tatsächlich in der Küche treffen wir einen echten Neuseeländer. Es dampft und zischt und er zaubert sich ein Menü aus Speck, Eiern und Toastbrot. Ein älterer Herr aus Chirstchurch. Er ist für ein paar Tage zum Angeln hier in der Gegend. Wir führen unsere ersten Unterhaltungen auf Englisch Noch fällt es uns schwer umzudenken und oft fehlen uns die richtigen Worte. Doch die Kiwis sind sehr bemüht uns zu verstehen und erklären und wiederholen so oft und geduldig bis auch wir sie verstehen.

Kaikoura
auf dem Weg nach Kaikoura

Der dritte Tag. Wir krabbeln aus unserem Zelt und das erste Mal sieht es nach Regen aus. Also rein in die guten Regenklamotten und los. Wir entschließen uns die Tagesetappe von Cheviot aus mit einen kleinen Abstecher zum ca. 8 km entfernten Pazifik, der Gore Bay zu beginnen. Der Umweg lohnt sich. Wir sehen Schafe, wunderschöne in Büschen wachsende Kala Blumen und dann schließlich das Meer. Endlich – das Meer! Unsere ersten Schritte entlang der Pazifikküste, sie sind wundervoll trotz Nieselregen. Wir sammeln Muscheln und Steine und könnten ewig hier verweilen. Doch wir müssen und wollen weiter!!!
Bergauf, bergab, Wolken, Schafe – für die wir immer wieder vom Fahrrad hüpfen um sie auf Bild festzuhalten. Dann geht’s direkt am Meer entlang bis kurz vor Kaikoura. Nach über 80 km sind wir hungrig und glücklich einen Campingplatz direkt am Meer zu erreichen. Einfache Nudeln mit Tomatensoße sind für uns wie ein Festessen. Wir gewöhnen uns ans Reisen und das Leben im Zelt.

Strand in Kaikoura
Strand in Kaikoura

Am nächsten Morgen erwachen wir früh, es ist hell, ein Blick aus dem Zelt, die Wolken sind weg. Eilig schlüpfen wir ins unsere Kleidung und huschen mit den Fotoapparaten ans Meer. Eine wunderbare Morgenstimmung erwartet uns. Vor uns das rauschende Meer doch hinter uns werden die Gipfel der Südalpen von den ersten Sonnenstrahlen wachgekitzelt. Gestern hatten die Wolken diesen Bergblick nicht annähernd erahnen lassen! Grandios!
Motiviert und begleitet von der Sonne radeln wir die East Coast weiter bis nach Kaikoura.
Der Name Kaikoura (gesprochen Kai-ko-ura) bedeutet „Hummer essen“ doch da wir beide keine Fisch- und Krabbelmeerestierliebhaber sind, ist der Name für uns nicht Programm. Nein wir sind hier um Wale zu sehen. Denn Kaikoura ist zum Synonym für Whale Watching geworden. Man kann hier sehr nahe der Küste diese riesigen Meeresbewohner beobachten. Früher lebten die Einheimischen hier vom Fischfang, doch dann kamen die Feldzüge Anfang des 19. Jh. und danach die Walfänger welche den Maoris zusetzten. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass das Walwatchunternehmen von Einheimischen  betrieben wird.
Die neugierigen Besucher werden von ihnen mit einem Katamaran zu den entsprechenden Stellen gebracht. Doch es gehört auch etwas Glück dazu denn die Wale bleiben nur für wenige Minuten an der Oberfläche bis sie wieder ins kühle, dunkle Nass abtauchen.
Ja Glück haben wir heute leider nicht. Die freundliche Mitarbeiterin des Unternehmens rät uns von einer Tour ab, denn obwohl das Wetter perfekt scheint, ist der Wellengang enorm und damit die Gefahr Seekrank zu werden. Da mir ja schon in den Volksfest-Fahrgeschäften übel wird lehne ich dankend ab. Mike ist zuerst etwas traurig, wollte er doch zu gerne die grauen Riesen mit eigenen Augen beobachten. Doch der idyllische Ort an der Ostküste hat noch mehr zu bieten. So radeln wir gemütlich ans andere Ende des Ortes um dort Robben und Meeresvögel zu beobachten und den sonnigen Frühlingstag im Freien zu genießen. Am Abend können wir neben unserem Zeltplatz noch mal Robben bestaunen und schlafen wieder mit dem Rauschen des Meeres ein.

vor Blenheim
vor Blenheim

Von Kaikoura folgen wir in den kommenden Tagen der Gebirgskette der Kaikoura Rangers. Die Berge fallen steil ins Meer und genau dort wo sie das Meer berühren führt etwas erhöht die Strasse entlang. Flach und kurvenreich schlängelt sie sich bis nach Wharanui. Kurz darauf geht es ins Landesinnere. Wir befinden uns nun in der Region Marlborough – einem Weinbaugebiet. Der nächste grössere Ort ist Blenheim. Trotz der Berühmtheit  durch den hier angebauten Wein, hat es Blenheim nicht wirklich zur städtischen Größe gebracht. Ein kurzer Besuch reicht um das Wichtigste von dieser Stadt zu sehen. Es geht weiter nach Havelock. Von hier kann man ausgiebige Kanutouren in dem Queens Charlotte Sound unternehmen. Als wir an diesem Morgen den Zeltplatz verlassen und auf die Strasse fahren, müssen wir uns mal wieder daran erinnern, dass in Neuseeland Linksverkehr herrscht.

Verkehrsschild
ohne Wort

Unser Weg wird nun zunehmend steiler. Enge Passtrassen durch Waldlandschaft. Doch wir wollen an diesem Tag noch bis Nelson, das an der Tasman Bay liegt. Nelson ist eine kleine beschauliche Stadt mit gerade mal 50.000 Einwohnern. Hier konzentriert sich das gesamte Leben im Norden der Südinsel, es boomen das Kunsthandwerk und die Kunstszene.
Erst spät am Abend nach 84 km erreichen wir das nette Städtchen und einen nahe dem Wald gelegenen Campingplatz. In der Abendsonne schlagen wir unser Zelt auf, duschen und fallen nach dem Essen in unsere Schlafsäcke. Die Nacht ist kalt und am morgen als wir den Reisverschluss unseres Zeltes öffnen erwartet uns Frost. Es ist wirklich eisig und wir huschen aus dem Zelt in Windeseile in die Küche. Doch auch die ist unbeheizt. So frühstücken wir im Stehen um nicht einzufrieren und erwärmen uns an unserer morgendlichen Tasse Tee. Pfefferminztee kann so lecker sein!!!
Dafür steht uns heute ein ruhiger Tag bevor. Mit dem Bus werden wir nach Westport im Norden der Westküste reisen. Die Fahrkarten dafür bekommen im Vistitors Center. Zum Glück auch noch für den heutigen Tag, was nicht selbstverständlich ist, denn die Busse fahren die Strecken oft nur einmal am Tag. Auch die Mitnahme unserer doch recht sperrigen Liegeräder ist für die Kiwis kein Problem und so machen wir uns auf an die West Coast.

entlang der West Coast
entlang der West Coast

Wir sind nun in einer anderen Wetterzone auf der Südinsel. Während es auf der Ostseite meist mediterran ist, trifft den Reisenden an der Westküste die volle Rauheit der Natur. Wechselhaftes Wetter, urwaldartige Fauna und vor allem berüchtigter Regen zeichnen die West Coast aus. Doch genau das macht sie so einmalig.
Die Nacht in Westport verbringen wir auf einem der Top 10 Campingplätze etwas außerhalb des Ortes direkt am Meer. Mit dem Rauschen der Tasmansee schlafen wir ein. Am nächsten Tag steht Punakaiki als Tagesziel auf dem Plan. Das Wetter spielt mit und wir verbringen einen wunderbaren ersten Radtag an der Westküste. Die Wellen sind höher.Imposante Steinformationen ragen ins Meer, die Strände sind lang und leer. Die andere Seite der Strasse bietet ein Bild von Urwald. Palmen und Farne dicht an dicht. Das Gezwitscher eines lustigen Neuseelandvogels begleitet uns – einfach wundervoll! Punakaiki ist ein rein touristischer Ort. Sehenswert sind hier die sogenannten Pancake Rocks (Pfannkuchenfelsen). Die Pancake Rocks bestehen aus Kalkstein in welches sich das Meer über Jahrhunderte hinweg eingespült hat. Somit entstanden einzigartige Gebilde.

entlang der West Coast
entlang der West Coast

Am Folgetag erreichen wir nach weiteren 50 Sonnen-Kilometern entlang der West Coast den Ort Greymouth. Hier leben gerade mal 100.000 Einwohnern. Damit ist Greymouth der größte Ort der Westküste. Das Zentrum der Stadt ist überschaubar klein, aber voller Leben. Bistro-Cafés und Restaurants konkurrieren miteinander. Von hier kann man auch mit dem TranzAlpinen-Zug nach Christchurch aufbrechen. Wir finden im Visitors Center endlich ein „Pedallers Paradise“. Mit den wichtigsten Tourenbeschreibungen, Alternativrouten und Höhenprofilen. Ein Segen – so lassen sich die Tagesetappen viel besser planen!

Nicht weit von Greymouth entfernt befindet sich das Jade Zentrum Neuseelands – Hokitika. Ein Städtchen, welches seine Blüte zur Goldgräberzeit hatte. Gold war der Grundstein für Hokitika und wurde damals tonnenweise vom örtlichen Bahnhof abtransportiert. Heute gibt es in der Stadt unzählige Geschäfte, welche sich auf die Verarbeitung und den Verkauf der neuseeländischen Jade spezialisiert haben. Hokitika ist in Neuseeland aber auch für das Wildfoods Festival bekannt. Ein Fest wo alles zubereitet wird, was man essen kann. Ob das nun geröstete Ameisen in Honigsauce oder Raupen am Spieß sind. Einfach verrückt die Kiwis. Es empfiehlt sich vorab schon Karten für das Festival zu besorgen, da die Teilnehmerzahl auf 19.000 Besucher limitiert ist.

Hokitika
Hokitika

Unser Tag endet am Strand von Hokitika. Noch immer strahlt die Sonne vom Himmel und wir spazieren barfuss am Strand entlang. Sammeln Steine (Mike) und Muscheln (Eva). Es kommen einheimische Fischer mit Riesenfischfangteilen und sie stellen sich damit hüfttief ins Wasser. Neugierig wandern wir näher. Sie fangen so eine Art durchsichtigen Regenwurm und angeblich ist das hier eine echte und v.a. teure Delikatesse. An diesem Abend gelingen uns mit dem Stativ ein paar wunderbare Sonnenuntergangsbilder. Mit diesen in Gedanken schlafen wir auch heute nahe am Meer ein.
Doch bereits am nächsten Morgen ist unsere Zeit an der Westküste vorbei. Da die Wettervorhersagen nicht so rosig sind, entscheiden wir uns mit dem Bus weiterzufahren. Unser utopisches Vorhaben die ganze Südinsel in 4 Wochen abzuradeln haben wir aufgegeben. Das lässt sich einfach nicht machen, wenn man die Natur – weswegen wir hier sind – geniessen und erleben möchte. Erleben braucht Zeit. Die nehmen wir uns jetzt!

am Lake Hawea
am Lake Hawea

Der Bus bringt uns von der Westküste ins Landesinnere. Vorbei am berüchtigten Franz Josef Gletscher, denn wir aber bei diesem Grauwetter auch nicht gesehen haben, über den Haast Pass bis nach Makarora am Lake Wanaka.Wir befinden uns nun in der Region Central Otago. Als wir aus dem Bus steigen blässt uns der Wind entgegen, der Himmel ist grau und unsere Busfahrerin kann nicht verstehen, dass wir bei diesem Wetter hier mitten in der "Pampa" aussteigen wollen. Doch wir genießen die wiedergewonnene Freiheit und frische Luft um die Nase. Zwischen Lake Wanaka und Lake Hawea geht es ruhig zu. Wir folgen den beiden Seen am Ufer entlang, ein bisschen auf, ein bisschen ab und immer mit Wind von vorne. Wir genießen diese beruhigende Landschaft aus Berg und See. Ein Radfahrer kommt uns entgegen. Er trainiert für seinen Wettkampf immer schön gegen den Wind fahren – tapfer!
Die Tagestour endet zu meinem Glück kurz vor einem mächtigen Anstieg. Wir schlafen direkt am See. Es ist kalt und wir sind froh als wir endlich in unserem warmen Schlafsäcken liegen.

Cromwell

Unser nächstes Ziel heißt Cromwell. Die 80 km bis dorthin haben wir in wenigen Stunden geschafft - dank Rückenwind. Cromwell liegt am Lake Dunstan, einem Stausee. Umgeben wird Cromwell  von zwei Bergzügen; im Süden der Cromwell Gorge und im Norden der Kawarau Gorge. In Neuseeland ist Cromwell als Obst- und Weinanbaugebiet bekannt.
Von Cromwell geht es am Lake Dunstan bis nach Alexandra, wo der Otago Rail Trail beginnt. Er ist der einzige Radwanderweg Neuseelands.
Auch Alexandra ist zu Goldgräberzeiten entstanden. Als der Boom vorbei war, konnte sich Alexandra durch die wachsenden Bedeutung des Obstbaus etablieren. Auf einem Teil der alten Eisenbahnstrecke von Alexandra nach Dunedin, erstreckt sich heute der Otago Rail Trail Radweg, einem 162 Kilometer langen geschotterten Weg, welcher auch mit bepackten Rädern zu meistern ist.

Otago Rail Trail

Für uns ist der Weg gut zu machen. Gemächlich geht es unmerklich bergauf, immer in Richtung Middlemarch, um uns herum die trockene Berglandschaft des Central Otagos. Es empfiehlt sich daher den Radweg im Frühjahr oder im Herbst abzuradeln. Nur wenige Bäume spenden entlang der Strecke Schatten.
Nach zwei Tagen erreichen wir Middelmarch. Es ist günstig dort freitags oder sonntags einzutreffen, denn so hat man die Möglichkeit von hier mit einem historischen Zug, dem „Taieri Gorge Railway“ in die Universitätsstadt Dunedin zugelangen.
Wir übernachten auf einem sehr netten Campingplatz, dessen Küche ein alter Bahnwagon ist und fahren am Folgetag mit der Taieri Gorge Railway nach Dunedin an die Ostküste. Die Bahn schlägelt sich dabei gemütlich entlang des Flusses durch ein verwildertes Tal bis nach Dunedin.

Bill aus Oamaru

Dunedin ist die gälische Version des Edinburgh. Vor der Stadt erstreckt sich Dunedin Harbour, wo sich heute Albatrosse und Pinguine beobachten lassen. Die Albatros Kolonie ist die einzige weltweit, welche gut auf einem erreichbaren Festland liegt. Es gibt auch hier unzählige Unternehmen, welche geführte Touren auf die Halbinsel Dunedin Harbour anbieten. Doch Dunedin bietet dem interessierten Besucher mehr. Im Stadtzentrum finden sich neugotische Kirchtürme und neo-palladianische Prunkbauten, welche sich um einen achteckigen Platz (The Octagon) scharren. Nicht weit davon liegt die größte und älteste Universität Neuseelands (1871) und der botanische Garten. Auch wir gönnen uns einen Tag Pause und verbringen zum ersten Mal auf dieser Reise zwei Nächte am selben Ort. Natürlich wollen auch wir die Pinguine sehen und lassen uns über die Otago Peninsula fahren um am anderen Ende Pinguin Place zu erleben. Wir bekommen einen netten Führer, grüne Regenjacken und dann geht’s ab an den Strand. In extra dafür ausgehobenen Gräben kann man die Pinguine ganz ungestört auf Augenhöhe beobachten. Momentan ist allerdings nicht viel los auf Pinguin Place. Ein Pinguin brütet jeweils, während der andere beim Fischen ist. So wird sich abgewechselt. Wir können allerdings einen Jungpinguin bebachten wie er mit einem viel zu grossen Strohhalm um einen kleinen See watschelt und nach einem geeigneten Platz für seinen Strohhalm sucht – sehr amüsant.

beim Mt. Summers
beim Mt. Summers

Eigentlich würde unser Weg nun wieder auf die Hauptstrasse Nr. 1, die wir schon aus Christchurch raus erlebt haben, führen. Doch dank dem Peddalers Paradise können wir eine Alternativroute ausmachen. Aus Dunedin raus führt uns ein Radweg, der uns noch mal herrlichste Ausblicke auf Dunedin Harbour ermöglicht. Bis in die Nähe von Waikouaiti können wir so entlang der Küste fahren und sind fernab des Verkehrs auf der Number one.
Aber auch als wir die Number one befahren hält sich der Verkehr in Grenzen. Bis Timaru ist das Radeln recht angenehm. In Oamaru wollen wir nochmals die Pinguine ansehen. Doch wir sind diesmal nicht bereit dafür Eintritt zu zahlen. Kurz hinter dem Pinguinen Center hält uns ein Neuseeländer an und fragt uns nach unseren Rädern. Bill heißt der nette Mensch, welcher uns gleich zum Kaffee einlädt. Durch Bill erfahren wir die richtige Aussprache so mancher schwerer Ortsnamen und lernen gleich noch was über die Geschichte Neuseelands.
Dank solcher Begegnungen wie mit Bill, erleben wir, wie schön das Radreisen eigentlich ist. Ein Großteil der Kontakte mit Einheimischen kam durch unsere Liegeräder und die langsame Reisegeschwindigkeit zustanden. Mit einem Wohnmobil wären wir sicherlich an zahlreichen Begegnungen vorbei gefahren.

Blick über Christchurch
Blick über Christchurch

Von Timaru entschließen wir uns zum Mt. Summers zufahren. In dieser Region wurde ein Teil des Film „Herr der Ringe“ gedreht und natürlich gibt es auch hier Reiseunternehmen, welche Touren in diese Region anbieten.
In Mt. Summers schneien die Berge über Nacht ein, so dass sich am morgen für uns auf der gesamten Strecke bis Glentunnel ein atemberaubendes Panorama ergibt. Schnee bedeckte Berge vor satten grünen Wiesen mit Schafen darauf.
Nach 4 ½ Wochen erreichen wir dann Christchurch. Die nächsten 3 Tage sind Entspannung und Stadtbesichtigung angesagt. Eine Traumhafte Tour geht zu Ende. Wir haben ein Land bereist, welches uns Woche für Woche immer mehr in den Bann gezogen hat. Die Lebensweise, die Lockerheit und Offenheit der Menschen, eine Landschaft, welche auf engstem Raum fast alles bietet, all das hat uns doch sehr sehr beeindruckt! 

Neuseeland wir kommen wieder!