Norwegen Teil 2

an der Strasse Nummer 17
an der Strasse Nummer 17

Im Fährhafen von Honningvóg angekommen legt ich mich noch in den Warteraum, um etwas Augenpflege zu betreiben. Pünktlich traf die Fähre ein. Wie ich feststelle bin ich doch nicht der einzige Radfahrer am Nordkap gewesen. Mit mir betreten noch vier weiter Radsportler die Fähre. 2 Deutsche und ein schottisches Paar, mit denen ich ins Gespräch komme. Auch sie wollen in Richtung Lofoten.
Bei einer Tasse Kaffee werden Erlebnisse und Erfahrungen ausgetauscht. In Havosund angelangt ist es vorbei mir der Sonne. Dunkle Wolken sind aufgezogen und überschütten mich mit leichtem Nieselregen. Die Landschaft um mich herum besteht aus Wasser und Bergen. Steine liegen wie Bausteine auf einander. Allein beim Anblick wird mir schon schlecht, habe ich doch immer die Angst, das beim kleinsten Windstoss sich so ein Koloss zu mir herunter begibt. Dazwischen sieht man Gräser und Blumen. Büche suchen sich ihren Weg in den Fjord. Am 51 Tag der Reise stehe ich wie jeden Morgen um 7:00h in der Frähe auf. Mein biologischer Rhythmus lässt mich meist nie länger schlafen. Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln mich aus dem Schlafsack. Nur ist das Problem im Norden, dass die Sonne im Sommer nicht untergeht. Noch leicht verschlafen machen ich mich auf den Weg von Fjord zu Fjord. In einem Dorf halte ich Ausschau nach einem Geschäft, als ich auf meinem Tacho die Zeit erblicke. 2:15 h in der Früh zeigt dieser mir an. ` Na toll, sind wohl über Nacht die Batterien ausgefallen. Zum Glück sind aber die Kilometer nicht gelöscht worden....`

Fjord bei den Lofoten
Fjord bei den Lofoten

So schaue ich auf meine Armbanduhr und muss mit entsetzen feststellen, das es wirklich erst um 2:15h in der Früh ist.
Also noch mals hingelegt. Bald schon treffe ich auf die berüchtigte E 6. Die Strasse die von Oslo bis zum Nordkap führt. Und so treffe ich sie alle wieder. Reisebusse und Wohnmobile. Ein grosser Fluss schlängelt sich durch das Tal und bildet dabei des öfteren kleine Wasserfälle, welche zu einer Pause einladen. Das Rauschen des Wassers wirkt beruhigend auf mich. Stundenlang könnte ich am Wasserfall sitzen und diese Naturschauspiel mit anschauen. Zwei Dünen in einem Lieferwagen stoppen mich. Die üblichen Fragen des Wohin und Woher prasseln auf mich nieder. ` You want a Beer?` Na klar nehme ich ein Bier. Ein dänische Bier und ein Powerriegel werden mir überreicht. Wie sich nun herausstellt haben die beiden einen Freund Namens Holger Anderson. Holger war gerade mit seinem Rennrad vom Nordkap aus gestartet. Innerhalb von 26 Tagen will Er damit in Gibraltar ankommen. Holger macht das aber nicht nur zum Spass, sondern unterstützt mit der Aktion auch gleich eine Herz - Stiftung in Dänemark. Auf Holger treffe ich eine Stunde später. Oder besser Er auf mich. Einpaar Kilometer radeln wir gemeinsam bis ich für Holger zu langsam werde und Er wieder in die Pedalen tritt.
Die Landschaft entwickelt sich nun zunehmend wieder in diese Mondlandschaft, aus Gräsern, Moosen und kleinen Bergen. Das Wetter blieb wechselhaft. Eine ganze Woche dürfte ich nun mit diesem Wetter fahren. Ab und zu gab die Wolkendecke den Blick auf die Gipfel frei. Gletscher und Wasserfälle kommen zum Vorschein. Dazu das blau des Wassers in den Fjorden. Teilweise erstrahlt das Wasser türkis blau und gab dem ganzen dadurch einen karibischen Hauch.
Ich radle am Fjord entlang und entdecke mit einmal drei grosse Fische im Wasser. Im ersten Augenblick halte ich die drei für Delphine. Noch nie zu vor habe ich in der Freien Natur Delphine gesehen. Und hier bot sich mir gleich dreimal die Gelegenheit. Schnell hatte ich mein Teleobjektiv an der Kamera. Leider kam ich aber nicht dicht genug heran, um diese Tiere genau auszumachen. Mir war es egal! Ich habe sie als Delphine fotografiert. Später erfuhr ich dann von einem Norweger, das es wohl mehr Schweinswale gewesen sein werden. Er könnte damit auch recht gehabt haben, da die Rückenflosse nicht so gross war, wie sie bei Delphinen hätte sein müssen. Ich war begeistert von diesem Ereignis. Wäre ich nicht mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, wer weis ob ich diese Tiere dann jemals gesehen hätte?
Auf den Lofoten angekommen, schlug ich in der ersten Nacht mein Nachtlager bei schönstem Sonnenschein unter freiem Himmel auf. Mein Versuch eine ruhige Nacht hinter mich zu bringen scheiterte ca. 1 Stunde nach dem ich mich in den Schlafsack gelegt hatte. Das Volk der Gnitzen umschwärmte mich. Gnitzen, erkannte ich schnell, zählen mit zu den übelsten Tierchen die ich bisher in Europa kennengelernt habe. Bei ihrer unbemerkten Landung auf der Haut beissen sie sofort zu. Es entstehen etwas grössere Pickel, wie man sie von Mücken her kennt. Der folgende Juckreiz ist nur durch gute Kühlung wieder weg zubekommen.

Lofoten morgens um 1.00h

Es half alles nichts, ich musste meinen Schlafplatz wechseln. Wie ein Streusselkuchen aussehend machte mich davon.
Dank der Gnitzen kam ich aber zu einer meiner schönsten Etappen auf dieser Tour.
Von den Lofoten aus setze ich über nach Bodö, von wo ich mich nun auf der Küstenstrasse No. 17 in Richtung Trondheim bewegte. Immer wieder musste ich kleine Fähren nehmen. Mit diesem in Norwegen überaus preiswertem Beförderungsmittel, für Radsportler gesehen, kam ich in den Genuss auch mal die Küsten vom Wasser aus zubeobachten.
Trondheim durch fuhr ich eigentlich nur, da ich absolut keine Lust mehr auf Städte hatte. Mich zog es mehr raus in die Natur. Über Lillehammer erreichte ich Oslo, wo ich nach 7500 Kilometern meine Bremsbeläge wechseln musste. Auch hier hatte ich wieder einmal Glück, da ich auf einen Radsportler traf der mich in die City begleitete und mir einen `billigen` Fahrradladen zeigte. Ich zahlte fast das doppelte für die Belege als bei uns. Auch in Oslo über kam mich dieses Gefühl der Unruhe. Nach fast 7 Wochen in der Natur wird man zum Eigenbrödler. Sicher tue ich den Städten damit unrecht. Eine jede Stadt ist ihren Besuch wert. In jeder gibt es was zu erleben und zu sehen. Mir fehlte jedoch die Stille um alles geniessen zukönnen. So machte ich mich auf den Weg in Richtung Schweden, um dort noch einmal die Natur zu geniessen bevor ich dann nach Dänemark übersetzen sollte.

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