Berlin-Lissabon 1998

Dunkle Wolken schweben am Himmel und geben der Sonne keine Chance sich zu zeigen. Ich sitze mit meinen Eltern beim Frühstück. Während ich meine Brötchen esse, fragen sie zum einhundertausendsten mal, ob ich denn wirklich alleine und vorallem heute starten will. Mein Entschluss heute alleine zu starten, ist ungebrochen.

In aller Ruhe bepacke ich mein Fahrrad. Diesmal nehme ich auch meine Gitarre mit, um mir in einsamen Stunden in der Wildnis ein Liedchen zu spielen.
Dann geht's endlich los! Vorm Ortsausgangsschild treffe ich noch ein mal auf meine Eltern. Winke, Winke und weiter geht's. Bei leicht einsetzendem Regen fahre ich nun von Berlin in Richtung Wittenberg. Es ist das erste mal für mich, dass ich allein auf solch eine Tour gehe. Oft muss ich mir sagen, dass ich es schaffe! Ich merke wie ich auf Menschen um mich herum angewiesen bin! Aber ich habe ein Ziel vor Augen und das heisst:` LISBOA ( Lissabon).

Der Regen, der mich nun seid Anfang dieser Tour begleitet, will sich nicht so richtig von mir trennen. Zum Glück habe ich in den ersten drei Tagen noch die Möglichkeit bei Freunden zu übernachten. Den Thüringer Wald von Sömmerda bis Schönbrunn überquere ich an einem Tag. Von der schönen Landschaft sehe ich, dank der tiefhängenden Wolken, nicht allzuviel. Zu dem war ich für diese Nacht bei Bekannten in Schönbrunn angemeldet und so radelte ich mal eben so 120 Kilometer über ein Mittelgebirge.

Von dort ab ging es durch den Frankenwald, Fränkische Alp in Richtung Rhein/Maingebiet. Entlang der Strecke fand ich immer wieder viel Weingebiet, die allesamt in wunderschönen Tälern lagen. Der zuständige für Regen im Himmel musste bemerkt haben, wie sehr ich die Landschaft in mich aufsog. Deshalb wurde der Regen auf maximal 1 Stunde beschränkt und die Sonne etwas mehr geheizt. Ja, ich konnte sogar manchmal komplett in kurzen Sachen fahren. Ich genoss die Stille um mich herum. Berlin ist oft hektisch und chaotisch, hier hingegen findet man wirkliche Ruhe und Endspanntheit.

So langsam kam ich wieder in Fahrt. War es doch gerade mal eine Woche her, als ich von meiner letzten Tour Berlin - Istanbul zurückkehrte. Wie man sieht, hielt es mich nicht lange in Berlin und so nutzte ich das Ende meines Zivildienstetes zum nächsten Start.

Von Karlsruhe aus radelte ich das Rheingebiet bis Freiburg ab. Es ging vorbei an den hier üblichen Obst- und Gemüseplantagen. Neben mir befanden sich die Berge des Schwarzwaldes. Dicht bewaldete Hänge hielten die Wolken, welche aus Frankreich kamen, fest und boten damit ein imposantes Schauspiel. Hier vergass ich wohl endgültig mein Heimweh.