Rumänien

Den ersten Pass geschafft
Den ersten Pass geschafft

Rumänien ist das Land, vor dem wir von allen Menschen auf unserer Radtour gewarnt wurden. ` Waaasss....?, meinten damals meine Eltern, als ich ihnen offenbarte, dass ich über Rumänien nach Istanbul fahren wolle und bereitete ihnen dadurch einige schlaflose Nächte. Der rumänische Grenzübergang Turnu strotze nur so vor

Prunk. Im Stillen dachten wir uns:Jetzt wissen wir wo unser Geld für das VISA geblieben ist. Das Dorf hinter der Grenze stimmte uns ganz anders! Verfallene Häuser, in denen noch Menschen lebten, marode Fabrikhallenund Viehställe.

Auch Arad hat am Stadtrand sehr viel Plattenbauten. Wir wurden bei der Durchfahrt von allen Menschen angesehen, als ob wir von einem anderen Stern gekommen wären. Viel winkten uns zu oder hoben ihren Daumen. Die Strasse hinter Arad war ein einziger Flickenteppich, was dazu führte, dass wir nicht zwei Sekunden im Sattel sitzen konnten. Dies sollte aber noch nicht die Krönung des Ganzen gewesen sein. In Lipova angekommen ging das Gehoppel erst richtig los. Die `Hauptstrasse` bestand nur aus Kopfsteinpflaster. Norman stand kurz vor einem Wutausbruch und musste sich öfter mal sehr stark auf die Zunge beissen. Was uns einfach wieder aufgebaut hatte, waren die vielen Menschen, die uns grössten oder uns nett und freundlich weiter halfen. Dieser Tag war auch einer der wärmsten seit Beginn dieser Tour, so dass wir eine längere Pause einlegen mussten.

Die Strasse nach Ususau war richtig gut und wie immer rechneten wir uns schon aus, wie weit wir wohl heute kommen würden. An einer Gabelung entschieden wir uns dann für eine Verbindung über Chelmac, Belotiat, Lalasint nach Bata. Der Weg war so schön in der Karte eingezeichnet - immer am Wasser entlang. Das mit dem Wasser war auch richtig, bloss von der Strasse, so mit Asphalt usw. fehlte jede Spur. In Rumänien können eben auch Schotterpisten zu Nebenstrassen werden. Norman liess seinen Frust raus, indem er mit einem sehr hohen Gang vorne weg fuhr. Seine Fahrweise führte dann dazu, dass sich eine Schraube seines vorderen Gepäckträgers `verabschiedete` und wir eine neue aus unseren Taschen suchen mussten. Völlig fertig fingen wir an in Bata nach einem Schlafplatz zu suchen. Als wir eine ältere Frau fragten, ob wir nicht bei ihr im Vorgarten unser Zelt aufschlagen könnten, bekamen wir gleich ein richtiges Zimmer zur Verfügung gestellt. Dazu überraschte sie uns noch mit einem Abendbrot, welches aus Schinken, Paprika, Erbsenpüree und Brot bestand. Nach über einer Woche Radtour, war dies für uns mal wieder die erste Gelegenheit im Bett zu schlafen.

Nach dieser Strecke am Vortag entschlossen wir uns jetzt doch auf der Europastrasse in Richtung Deva zu fahren. Es war eine Wohltat für uns, nicht nur vom Asphalt her, sondern auch landschaftlich lies es keine Wünsche offen. Kurz vor Deva begrüsste uns ein Schild mit der Aufschrift ` Transilvanien. Ab jetzt befanden wir uns im Land von Dracula, aber auf der gesamten Strecke sahen wir nicht einmal auch nur ein Anzeichen von ihm. Leider! Ich hätte so gerne ein Foto von ihm und mir gemacht.

In Deva machten wir erstmal wieder eine Pause, da die Hitze uns dazu zwang. So sollte es jetzt immer auf unserer Tour sein. Bis 14:00 Uhr wird gefahren und dann bis 18:00 Uhr eine Pause gemacht, da in dieser Zeit die Hitze unerträglich war. Teilweise waren es sogar über 45 Grad Celsius. In Sebes entschlossen wir uns, den Weg über die Karparten zu nehmen. Was wir vorher aber nicht genau wussten war, dass uns ab jetzt ein 60 km langer Aufstieg bis zur Kreuzung Petrosani / Voineasa bevorstand. Die Strasse wurde wieder etwas schlechter. Gl?ck hatten wir aber mit dem Verkehr, da auf dieser Strasse kein Transitverkehr herrschte und sich auch wenig Touristen dorthin verirrten. seit dem wurde Rumänien richtig anstrengend, aber zugleich auch interessant. Die Landschaft ähnelte den Rocky Mountains oder den Alpen. Weite unberührte Natur und ein sehr dichter Baumbestand kennzeichneten diese Gegend. Die Strasse führte immer neben dem Fluss leicht, aber konsequent, bergauf.

Auf dem weiteren Weg nach oben, fuhren wir vorbei an zwei kleinen Stauseen. Als ich an einem See ein Foto gemacht hatte, kam plötzlich ein Soldat und eine Person in Zivil auf mich zu. Ich dachte schon, dass ich jetzt meinen Film rausnehmen darf. Aber ich hatte Glück, denn die Person in Zivil hatte in Deutschland mal gearbeitet und wollte sich nur mit uns auf englisch unterhalten. Es stellte sich heraus, dass diese Person wohl so etwas wie der Ingenieur der Anlage war. Zum Ende unsere Konversation gab er uns noch Tips für die Strecke, die sichwenige Kilometer danach teilweise in eine Schotterpiste verwandelte.

Die Strasse war mittlerweile so breit geworden, dass die Bäume keinen Schatten mehr spendeten. Dies führte auch dazu, dass der Asphalt etwas von der Welt sehen wollte und beschloss an unseren Reifen kleben zubleiben. Doch auch hier hatten wir mal wieder Glück. Ein Kleinbus mit deutschem Kennzeichen hielt neben uns. Die Beifahrerin fragte, ob sie uns ein Stück mitnehmen sollten. Bei der Steigung und der Hitze gab es für uns nicht viel zu überlegen und wir verluden die Fahrräder. Wie sich später heraus stellte, hatten wir ziemlich viel Glück gehabt, da der Aufstieg kein Ende fand und sich der Asphalt mittlerweile in eine Schotterpisten verwandelt hatte, bestehend aus grossen vereinzelten Steinen. 25 Kilometer blieben uns dadurch erspart.

Wir übernachteten noch einmal in den Bergen, um am nächsten Morgen über Petrosani auf die E 79 in Richtung Targu Jiu zu fahren. Die E 79 führt ab Petrosani durch ein Tal, welches ein wenig an den tropischen Regenwald erinnerte. Ein dichter Baumbestand kennzeichnet diese wunderschöne Landschaft bis zu den Gipfeln. An den Strassen gab es auch in fast regelmässigen Abständen immer wieder Wasserquellen, wo man seine Trinkflaschen auffüllen konnte. Aufpassen sollte man auf Trinkwasser, welches aus Brunnen geholt wurde.

Bei uns führte dies einmal zu Magenproblemen mit anschliessendem Durchfall, von dem wir alle drei betroffen waren. Norman erwischte es am stärksten, so dass wir gezwungen waren von Filiasi bis Craiova einen Zug zu nehmen. Am Bahnhof angekommen standen wir vor unserem bis jetzt grössten Problem. Wir mussten der Fahrkartenverkäuferin klarmachen, wohin wir wollten. Selbst mit Hilfe der Karte, auf der wir ihr den entsprechenden Ort zeigten, wollte Sie es einfach nicht verstehen. Zudem kam noch, dass jeder Bahnhofsangestellte uns etwas anderes erzählte. Verzweifelt gaben wir erstmal auf, um neue Kraft zu sammeln. Gegen 12:00 Uhr dann der zweite Versuch! Aber auch hier hatten wir wieder Pech, denn die nette Dame am Schalter sass zwar da, aber Sie machte absolut keine Anstalten die Schlange, die sich an Fahrgästen gebildet hatte, abzuarbeiten. Beim dritten Versuch schafften wir es dann doch, unsere Tickets zu bekommen.

Norman ging es immer schlechter und so musste er des öfteren zur Toilette rennen. Hinzu kam wenig später noch Erbrechen, wo er es teilweise nicht einmal mehr bis zu den Gleisen schaffte. Auf unsere Situation wurde ein junger Mann aufmerksam, der sich im gebrochenem Englisch mit Matthias unterhielt und uns seine Hilfe anbot. Ihm haben wir es zu verdanken ,dass wir den richtigen Zug bekommen haben, weil der Zug eine halbe Stunde zu früh einfuhr.

Auch als es im Zug mit den Schaffnern noch Probleme wegen der Fahrräder gab, half er uns beim Dolmetschen.

In Craiova angekommen, lud er uns zu sich nach Hause ein. Da es Norman immer noch nicht besser ging, nahmen wir sein Angebot dankend an. Er brachte uns zu seiner Wohnung, welche nicht weit vom Bahnhof entfernt lag. Dort wurden wir dann von seinen drei sehr hübschen Nichten und dem Rest der Familie begrüsst. Norman wurde von ihnen versorgt, als ob er ihr eigener Sohn gewesen wäre und auch Matthias und ich wurden mit Essen überschüttet. Bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von rund 100,- DM war uns dies natürlich sehr unangenehm.

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Fremde, jedoch total hilfbereite Menschen

So wollten wir unsere Lebensmittel zur Verfügung stellen und beim Kochen und abwaschen helfen. All dies wurde nett aber energisch abgewiesen. Die kleine drei- Raumwohnung war mit nun insgesamt 8 Personen gefüllt. Die Küche stand voll mit unserem Reisegepäck. Gas und Wasser gabs nur zwei Stunden am Tag, da die

 Rohrleitungen gerade neu gemacht wurden. Aus meiner sicht herrschte schon ein leichtes Chaos nach unserer Ankunft. Aber wir kamen alle gut damit zurecht. Wie hilfsbereit doch andere Menschen sein können, obwohl sie selber nicht viel zum Leben haben.

Am nächsten Morgen mussten wir leider weiter. Sie halfen uns den richtigen Zug zu finden und die Fahrkarten zu besorgen. Zum ersten Mal hatten wir fremde Menschen, die zu unseren Freunden geworden sind, und Tränen in den Augen als wir abfuhren.

Der Zug brachte uns nach Calafat an der Grenze zu Bulgarien.

 

TIP:

An dieser Stelle möchte ich mal ein Buch empfehlen, was wir zum Zeitpunkt der Reise nicht hatten.

Fahrradfährer für Siebenbürgen, bietet Ihnen zahlreiche Informationen zu Siebenbürgen, 6 detailiert beschriebene Routen, mit Karten, sowie zu zahlreichen Dörfern und Städten wichtige Informationen, welche Sie all das erleben lässt, was wir damals nicht wussten oder nicht erfahren haben.

Die ISBN Nummer lautet: ISBN 973-8226-31-7 und kostet 19,80 Euro.

Im Internet erhalten Sie das Buch ?ber

transylvaniatravel.net, oder Sie schreiben direket den Hora Verlag in Siebenbürgen an: roth-hoeppner@hora-verlag.de Tel. 0040/269/211839