Berlin - Prag

Es war der 18.07.98, der erste Tag unserer Tour von Berlin nach Istanbul. Vor uns lagen ca. 3000 km weite, endlose Strassen, hohe Berge und viele Dinge von denen wir noch nichts wussten. Hinter uns liegt ein Jahr harter Planung dieses Trips, der unter dem Motto ` Per Rad für Völkerverständigung` stehen sollte.

Auf dieser Tour sammelten wir u. a. Geld für ein Kinderheim der Caritas in Burgas / Bulgarien. Dort werden obdachlose Kinder, die kein Kontakt mehr zu ihren Familien haben und im Alter von 3 - 12 Jahren sind, betreut. Matthias und ich starteten zu unserer ersten Etappe Berlin - Dresden. Mit unseren über 40 kg beladenen Fahrräder hatten wir anfangs noch Probleme mit dem Fahrverhalten.

Hinter Waltersdorf ( 15 km vom Startplatz ) hat Matthias den ersten Platten, am Hinterrad. Der Fehler ist schnell behoben und weiter geht's. Keine einzige Wolke ist am Himmel zu sehen und,so hatte die Sonne ein leichtes unsere Körper zu bräunen. In Zossen bogen wir auf die B 96, die uns über Luckau, Finsterwalde, Eberswalde nach Dresden bringen soll. Ab Luckau wurde die Hitze für uns so unerträglich, so dass wir alle 30 km eine Pause machen mussten. Nach 210 km erreichten wir Dresden und waren erleichtert, dass wir die l?ngste Strecke dieser Tour geschafft haben. Der nächste Tag begrüsste uns auch wieder mit Sonne! Es stand uns der erste Grenzübertritt bevor. In Pirna beschlossen wir, den Elbe - Radwanderweg zu verlassen und in Richtung Bahratal zu fahren. Es ist erwähnenswert, dass diese Strecke zwar landschaftlich schöner ist, als wenn man weiter über Bad Schandau führt, aber sie ist auch viel bergiger! Nach diesem langen Aufstieg kamen wir an der Grenze zu Tschechin an und erhielten auf tschechischer Seite unseren ersten Stempel in den Reisepass.

Die Tschechische Republik empfing uns mit einer super Abfahrt, auf der wir die 70 km/h leicht überschritten. Wir fuhren in Richtung Lovosice und dann nach Terezin ehemals Terezienstadt. Für uns war es schon ein komisches Gefühl, hier dieses KZ zu sehen und beobachten zu müssen, wie sich Leute davor fotografierten oder sich essend die Schlafräume ansahen. Nach 110 km suchten wir uns einen Schlafplatz, der nicht weit von der E 55 entfernt war. Abgelegen und hinter Bäumen versteckt schlugen wir unsere Lager auf. Es war die erste Nacht in der Natur und auch gleichzeitig die erste, die wir im Freiem übernachteten.

Am nächsten morgen fuhren wir ins noch 40 km entfernte Prag. Nach einigen Versuchen den Wenzelsplatz zu finden, erreichten wir diesen um die Mittagszeit. Prag machte auf uns einen gemütlichen Eindrucken. Es ist eine Stadt mit viel Charme, aber leider wie so oft auch mit viel Stress für Radfahrer verbunden. Der Verkehr in Grossstädten ist für mich einfach immer belastend. So unternahmen wir auch keine Stadtbesichtigung, da wir beide schon in Prag waren und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten irgendwann schon mal gesehen hatten. Eine Pause an der Moldau gönnten wir uns aber doch noch in Prag.

An einem sehr steilen Berg,15 Kilometer hinter Prag, fragte ich einen Busfahrer, ob diese Strasse da vor mir wirklich nach Jesenice führt. Er meint ja, erkannte auch unsere Lage, dass wir sicher mit den Fahrräder Probleme bekommen würden, wenn wir jetzt bei dieser Hitze dort hoch fahren würden (das Thermometer zeigte 35 Grad).So durften wir kostenlos mit seinem Bus mitfahren.

Um so weiter wir in den Süden kamen, um so mehr Ackerland sahen wir jenseits der Strasse. Bei der Hitze, die in diesen Wochen dort herrschte, war dies natürlich nicht das, was wir brauchten. Kaum ein Baum, der hätte Schatten spenden können. Kein kühlender Luftzug. Wir sahen dies alles aber als Vorbereitung für die Fahrt durch die südlichen Länder an.

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